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Herbststurm "Christian": Schäden an den Bahnstrecken

Eintrag von Jochen Schulz, 01.11.2013

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Die vergangenen Tage waren für den Bahnverkehr in Schleswig-Holstein von zahlreichen Einschränkungen geprägt. Herbststurm "Christian" fegte am Nachmittag des 28.10. über weite Teile Schleswig-Holsteins und richtete erhebliche Schäden an den Bahnstrecken an. Zeitweise war der Bahnbetrieb vollständig eingestellt. Während der Bahnbetrieb zwischen Hamburg und Lübeck relativ schnell wieder hergestellt werden konnte, fihr der erste RE Kiel-Hamburg erst wieder am Mittag des 31.10. Auch heute am Freitag, den 1.11. ist die Strecke Neumünster-Flensburg noch nicht wieder befahrbar. Die DB Netz AG hat uns einige Bilder zur Verfügung gestellt, um die entstandenen Schäden zu dokumentieren:

Umgestürzter Oberleitungsmast bei Bokelholm

Oberleitungsmast auf den Gleisen

Baum im Gleis bei Bokelholm

Bei Bredstedt entgleiste ein Zug der NOB

Verkeilte Äste unter dem Drehgestell des Steuerwagens

(Quelle aller Aufnahmen: DB Netz AG)

Natürlich ist es zu bedauern, dass auf den Bahnstrecken der Verkehr lange stillstand, bzw. immer noch nicht wiederaufgenommen werden konnte. Grundsätzlich ist das Schienennetz bezüglich Sturmschäden deutlich empfindlicher als das Straßennetz, da sowohl Ausweichen als auch Umleiten viel schwieriger möglicher ist. Zudem sind die "Tatorte" deutlich schwieriger zu erreichen. Kommt dann noch eine Oberleitung hinzu, wird es noch komplizierter. Unser Dank gilt den vielen Helfern, die z.B. für die Wiederbefahrbarkeit der Strecken sorgen, bzw. gestrandeten Fahrgästen mit Rat und Tat zur Seite standen. Bei den vielen betroffenen Reisenden des Nahverkehrs in Schleswig-Holstein hoffen wir auf Verständnis und weiterhin Treue zum Bahnverkehr auch wenn die vergangenen Tage einiges an Geduld und Improvisation abgefordert haben werden.

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Kommentare

  • @Andreas Teegen:
    Bei Streckensperrungen im Schienenverkehr erwarten die Fahrgäste zu Recht eine Ersatzbeförderung. Aus diesem Grund wird in den Verkehrsverträgen mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen vereinbart, dass bei kurzfristigen Störungen ein Busnotverkehr (BNV) und bei längeren Störungen sowie bei geplanten Streckensperrungen ein Schienenersatzverkehr (SEV) eingerichtet wird. Dabei soll grundsätzlich jede Fahrt durch mindestens einen Bus ersetzt werden.

    In der Praxis ist das leider nicht immer so möglich. Es kann vorkommen, dass entweder Busse und/oder Fahrer nicht in ausreichender Anzahl zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zur Verfügung stehen. Dies war in der Ausnahmesituation nach dem Sturm „Christian“ der Fall.

    Im konkreten Fall hat das Verkehrsunternehmen (Regionalbahn SH) daher auf eine Ersatzverbindung von Neumünster über Kiel nach Rendsburg verwiesen und die Abfahrtszeit der Anschlusszüge entsprechend angepasst. Zwischen Neumünster und Bad Oldesloe wurden in Zusammenarbeit zwischen der Regionalbahn SH und der NBE nordbahn die Züge verstärkt, so dass insbesondere Fahrgäste von Kiel nach Hamburg und umgekehrt auch diese Ausweichroute nutzen konnten. Ein BNV bzw. SEV zwischen Neumünster und Rendsburg wurde nach und nach ergänzt bzw. vertaktet, um die Fahrtmöglichkeiten auf dieser Strecke wieder zu verbessern. Dass dies nicht unmittelbar geschehen konnte, ist der Ausnahmesituation in ganz Schleswig-Holstein geschuldet.

    Geschrieben von Nadine Francke (LVS), 07/11/2013 10:54am (vor 5 Jahren)

  • Zwei Tage nach "Christian" zeigte sich, dass die Nord-Ostsee-Bahn nicht verstanden hat, was ein integraler Taktfahrplan für Fahrgäste bedeutet: Um 17.21 Uhr fuhr die NOB 81722 pünktlich wie im Fahrplan angegeben Richtung Westerland ab. Wie schon morgens unter www.nob.de angegeben, fielen die Triebwagenumläufe zwischen Itzehoe und Heide aus und wurden durch Halte der lokbespannten Züge in Wilster, Burg, St. Michaelisdonn und Meldorf ersetzt. Dadurch verspätete sich der Zug bis nach Heide um elf Minuten, was zur Folge hatte, dass der fahrplanmäßig vorgesehene Anschluß an die NBE 81876 nach Büsum ab Heide Heide um 18.01 Uhr nicht mehr gewahrt war. Dabei hätte die NOB 81722 problemlos die elf Minuten früher in Itzehoe abfahren können, denn der Zug kam nicht aus Elmshorn, sondern aus Richtung Westerland und stand in Itzehoe zum Kehren über zwanzig Minuten am Bahnsteig herum. Warum die NOB keinen Wert auf pünktliche Abfahrten in Heide und nördlich davon legte, erschließt sich mir nicht. Dank NOB hatte ich allerdings Zeit für einen ausgiebigen Bummel über den Heider Jahrmarkt.

    Geschrieben von Sönke Jacobsen, 05/11/2013 5:33pm (vor 5 Jahren)

  • Guten Tag,

    für ein Unwetter kann niemand etwas. Für die katastrophale Organisation nach der Katastrophe auf der Strecke Neumünster - Nortorf - Rendsburg sehr wohl.

    Als Berufspendler bewegen ich mich täglich mit dem SPNV über Neumünster nach Rendsburg. Noch einmal, ich bin Berufspendler und muss einen Arbeitsvertrag erfüllen.

    Ab Montagabend, 28.10.2013 bis einschließlich Freitag den 1.11.2013 war ein Erreichen von Rendsburg mit dem ÖPNV garnicht, bzw. im Verlauf der Woche nur sehr schwierig möglich.

    Dienstag und Mittwoch ging es garnicht mit dem ÖPNV, auf jeden Fall nicht als Pendler. Donnerstag und Freitag nur mit ganz erheblichem zeitlichem Mehraufwand über Kiel und nur deshalb mit erträglicher Verzögerung, da der Zug Kiel - Rendsburg auf den Zug Neumünster - Kiel gewartet hat (an KI 8.02 Uhr, ab KI 8.01 Uhr). Lt. Fahrplan wäre eine Stunde Wartezeit zu kalkulieren gewesen. Eine vorrübergehnde, zeitliche Anpassung der Fahrpläne war wohl nicht möglich.

    Mein Glück am Montag, ich nutze neben dem ÖPNV auch ein Faltrad, das ich bei mir habe. So bin ich am 28.10.2013 schlussendlich von Rendsburg bis Neumünster mit dem Fahrrad gefahren. In Neumünster fuhr dann um 22.37 Uhr die nordbahn Richtung Bad Oldesloe für meinen Restweg. Da am Abend in Rendsburg keine geeigneten Busse mehr fuhren wären die Alternativen gewesen, ein Taxi nehmen oder ein Hotelzimmer buchen.

    Völlig schleierhaft bleibt mir, das es die ganze Woche nicht möglich war, einen durchgängigen SEV von Neumünster über Nortorf nach Rendsburg einzurichten. Zur Verfügung gestellt wurde ein SEV Neumünster - Nortorf mit stündlicher Taktung und ein zweiter SEV, Nortorf - Rendsburg mit zwei- stündlicher Taktung. Beide SEV ohne (!) direkten Übergang.

    Weiter habe ich nie persönliche DB- Ansprechpartner am Knotenpunkt Neumünster gesehen, dafür aber orientierungslose, auswärtige Fahrgäste. Ich habe von der DB- Servicehotline und von dem DB- Online Angebot definitiv falsche Informationen zu der Strecke Neumünster - Rendsburg erhalten. Die DB- Servicehotline habe ich dafür auch noch zahlen dürfen. Der, aus meiner Sicht, unbrauchbare SEV Neumünster - Nortorf - Rendsburg war nur über eine schwer sichtbare Verlinkung auf dem DB- Online Angebot zu finden.

    Vor diesem Hintergrund empfehle ich jedem Pendler einen Blick in den LNVP 2013 - 2017, Abschnitt 1.6. Wirtschft. Ich muss daraus schließen, Rendsburg ist wirtschftlich nicht relevant. Pendler, die ihren Arbeitsplatz in Rendsburg haben, spielen keine Rolle.

    Die oben gestellten Fragen werde ich definitiv auch an unser Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie und an Herrn Dr. Grube richten. Bereits jetzt erwarte ich mit Spannung die Stellungnahmen.

    Andreas Teegen, Bad Segeberg

    Geschrieben von Andreas Teegen, 04/11/2013 1:32pm (vor 5 Jahren)

  • Ich kann mich den aussagen in dem Artikel soweit zustimmen nur eine frage muss ich mich schon erlauben, warum müssen die Bäume so dicht an den Bahnstecken stehen innsb. an so elementar wichtigen Bahnstrecken wie DK-Flensburg-Neumünster-HH stehen?

    Von Zahlreichen aussagen von älteren weiß ich das früher viel mehr Baumpflege vor allem an den Hautstecken Fl-HH, HH-Sylt, HH-Lübeck vorgenommen wurde denn es ist das erste mal das eine Bahnstrecke in SH aufgrund von Sturm tagelang gesperrt werden musste! Durch eine angemessene Baumpflege z.b. einen Mindestabstand von Bäumen zumindest auf den wichtigsten Bahnlinien das währen bei uns in SH: Sylt-Husum und HH-DK denn es kann nicht sein das die Wirtschaft deshalb so massiv drunter leiden muss und verfallendem stehen an vielen Bahnstrecken auch Nadelbäume die nur sehr wenig wurzeln haben und dadurch sehr leicht umkippen bei Sturm daher sollte die DB Netz sich mal Gedanken darüber machen wieder mehr in Sachen Baumpflege zu unternehmen den früher gab es direkt an den Schienen auch keine Bäume da diese regelmäßig gekappt wurden!

    Ich habe auch die Info System der Bahnunternehmen beobachtet hier meine bewertungen:

    NOB: Das Infosystem Online im großen und ganzen Ok aber es sind dringend Eichzeitdaten der Züge notwendig da die veröffentlichen Daten nicht ausreichen um die Fahrgäste zu Informieren.

    DB: soweit befriedigend nur leider funktioniert das DB Zugradar noch nicht zuverlässig da oft auch Züge dargestellt sind die gar nicht in echt existieren oder an völlig falscher Stelle gezeigt wurden

    Es gibt ein Bahnunternehmehmen das sich vorbildlich vor-allem im Netz präsentiert hat mit sämtlichen Zugdaten Verspätungen Ausfälle usw. in Echtzeit auf Twitter veröffentlicht der Metronom daran könnten sich vor allem die NOB mal eine Scheibe von abschneiden den dort gab es nur allgemeine Infos!

    Geschrieben von sylt33, 02/11/2013 4:40pm (vor 5 Jahren)

  • ufällig war ich an dem Sturmmontag kurz auf Sylt. Auf der Rückfahrt nahm ich die NOB um 14:22. Erst sollte der Zug in Morsum enden, dann ging es doch noch bis Niebüll. Hier bekam ich mit, wie schwer man sich mit der Hilfe für die entgleiste NOB bei Bredstedt tat. Obwohl die NEG einen Hilfszug in Niebüll rumstehen hat, dauerte es 4,5 Stunden bis er ausrückte. Der NOB Lokführer weigerte sich, seine LOK vom gestrandeten Zug zu nehmen. Wir Fahrgäste im Zug hätten dann nur Notlicht und keine Heizung mehr gehabt.
    Dem Lokführer der NEG fehlten dann die notwenigen Streckenkenntnisse, es mußte mühsam ein Lotse gesucht werden.
    Verantwortlich ist hier der Notfallmanager von DB Netz als Infrastrukturbetreiber. Warum orderte er keine Lok von DB-Autozug, der später an dem Tag ja wieder fuhr?
    Ein einziger Bus stand uns Zuginsassen ( Nach Zählung vom DRK knapp 200) dann zur Weiterfahrt nach Husum zur Verfügung, ich hatte Glück.
    In Husum ein weiterer Bus nach Itzehoe und Altona. Weitere Halte sollte es nicht geben. Netterweise machte der Busfahrer dann eigenmächtig einen Umweg über die Elmshorner Umgehungsstrasse und ließ uns dort raus. Ankunft am Bahnhof (PKW abgestellt) dann nach Fußmarsch gegen 23:00.

    Auf dem Streckenabschnitt Elmhorn-Tornesch gab es nach meinen Sichtungen etwa 10 leichtere Schäden (keine Masten beschädigt) an der Oberleitung durch Bäume und große Äste. Das Angebot der Elmshorner Feuerwehr, die zu beseitigen, lehnte die Bahn nach Aussage eines dortigen Feuerwehrmannes ab.
    Auch das THW wurde nicht angefordert, obwohl es sich eindeutig um einen Katastrophenfall handelte!
    Stattdessen tat sich am nächsten Tag auf diesem Streckenabschnitt gar nichts, erst am folgenden Mittwoch rückte eine private Gartenbaufirma mit Sägen an, sowie zwei Oberleitungstriebwagen. Einer dieser Triebwagen kam aus Wittenberge.
    Aus meiner Sicht gibt es hier im Norden zu wenig von diesen Fahrzeugen: Gerade mal einer in Neumünster und einer in Langenfelde. Bedenkt man, dass die Reparatur eines einzelnen Auslegers nach meinen Beobachtungen bis zu einer Stunde dauern kann, wundert mich die langsame Reparatur der Schäden nicht.
    Auf die Idee, Reparaturtrupps weiter aus dem Süden des Landes zu holen, scheint die Bahn nicht gekommen zu sein, oder?
    Zu kritisieren gibt es auch die Hilfe für die Fahrgäste im Bahnhof Elmshorn.
    Am Dienstag stand auf Gleis 3 eine verlassene RB mit teilweise offenen Türen und Fenstern.
    Auf Gleis 2 eine NOB mit laufendem Motor an der Lok und laufender Kimaanlage bei den Wagen: Auch hier kein Personal zu sehen. Das wirkte für mich wie Geisterzüge im Krieg.
    Die ankommenden Fahrgäste waren völlig verwirrt und suchten vergeblich nach irgendwelchem Personal. Dass hier nichts fuhr, stand nirgendwo, es gab auch keinerlei Durchsagen dazu.
    Auch noch am Mittwoch keine Hinweisschilder zu den Bussen am ZOB. Bahnpersonal auf den Bahnsteigen ebenfalls totale Fehlanzeige. Auf Gleis 1 zeigte der Anzeiger nur Ausfälle an, nicht die fahrenden Züge Richtung Itzehoe. Die "Blechelse" Ansagen warnten vor durchfahrenden Zügen, statt die Fahrgäste zu informieren. Es herrschte ein regelrechtes Chaos, einzig die Bahnhofsmission war vor Ort und zeige den Fahrgästen, die sich in Elmshorn meist nicht auskannten, den barrierefreien Weg zum ZOB. Auch das Personal im Reisecenter war hilflos und uninformiert. Eine NOB, die angeblich kommen sollte, fuhr dann doch nicht.
    Mein Fazit: Gegen Unwetterkatastrophen kann man nichtts machen aber das Krisenmanagment der Bahn war für mich auch mehr eine Katastrophe.

    Geschrieben von Bahnnutzer, 02/11/2013 1:55pm (vor 5 Jahren)