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Eine Bahn für Kellinghusen: LVS stellt Pläne bei Einwohnerversammlung vor

Eintrag von Nadine Niewiera, 18.06.2012

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Seit 1975 fährt kein Personenzug mehr nach Kellinghusen – 2015 könnte sich das wieder ändern. Die LVS hat jetzt die Pläne für eine mögliche Reaktivierung der Bahnstrecke Kellinghusen – Wrist bei einer Einwohnerversammlung in Kellinghusen vorgestellt.

Durch die Reaktivierung könnten Fahrgäste stündlich direkt nach Hamburg-Altona und zurück reisen. Dafür muss die noch bestehende alte Trasse von Kellinghusen nach Wrist wieder aufgebaut und in Betrieb genommen werden. Sie befindet sich seit 1997 im so genannten Trassensicherungsvertrag, der eine Wiederinbetriebnahme ermöglicht, obwohl die Gleise weitgehend abgebaut sind. In Kellinghusen wird hierfür ein neuer Bahnhof gebaut werden.

Diese Überlegungen waren als Option Bestandteil der Ausschreibung im so genannten Netz Mitte für die Verkehrsleistungen zwischen Hamburg und Kiel bzw. Flensburg. Das Ergebnis der Ausschreibung hat im März 2012 gezeigt, dass die Option für den Fahrbetrieb zwischen Wrist und Kellinghusen finanzierbar ist. Damit konnten die ersten Vorplanungen beginnen. Der Betrieb ist ab 2015 denkbar.

Nach ersten Medienberichten und Anwohnerfragen wurde in den letzten Wochen deutlich, dass das Thema in Kellinghusen auf großes Interesse stößt. Deshalb hat die LVS den aktuellen Stand der Vorplanungen am 14. Juni auf einer – gut besuchten – Einwohnerversammlung in Kellinghusen vorgestellt. Der Vortrag von LVS-Geschäftsführer Bernhard Wewers und Jochen Schulz (Infrastruktur) wurde ergänzt durch Nis Nissen, Geschäftsführer der Nordbahn Eisenbahngesellschaft (NBE), der als zukünftiger Betreiber der Strecke die neuen Fahrzeuge vorstellte.   

An der Diskussion beteiligten sich auch die beiden Landtagsabgeordneten des Kreises Steinburg, Birgit Herdejürgen (SPD) und Heiner Rickers (CDU). Beide betonten die Chancen, die ein Bahnanschluss auch langfristig für die Stadt bietet, und zeigten sich optimistisch, dass bestehende Bedenken in der Öffentlichkeit im Zuge der weiteren Planungen ausgeräumt werden können.

In der Diskussion wurde deutlich, dass ein Großteil der Bürger die Reaktivierung der Bahnanbindung grundsätzlich begrüßt. Es sind jedoch noch einige Fragen offen, die zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht beantwortet werden können. Dazu zählt auch der genaue Standort des Bahnhofs; es werden verschiedene Varianten geprüft. Aus Sicht der LVS sowie der Stadt ist ein innerstädtischer Standort die vielversprechendste Option – hier kommt die Bahn wirklich zu den Menschen.

Ein wichtiger Punkt gerade für die unmittelbaren Anwohner ist die Lautstärke der Züge. Nach Kellinghusen sollen neue, moderne Elektrotriebwagen vom Typ „FLIRT“ (Hersteller: Stadler) fahren. Besonders auf einem neuen Gleis und bei der im bebauten Bereich geplanten Geschwindigkeit sind diese Züge sehr leise. Die Geschwindigkeit wird hier voraussichtlich maximal 60 km/h betragen. Das Geräuschempfinden ist jedoch sehr subjektiv, deshalb können keine allgemeingültigen Aussagen zu den Auswirkungen der Züge getroffen werden. Die LVS wird im weiteren Verlauf des Planungs- und Genehmigungsverfahrens ein Lärmschutzgutachten beauftragen. Dessen Ergebnisse sollen aufzeigen, welche Auswirkungen von den Zügen ausgehen und wo es gegebenenfalls Potenziale für zusätzliche Verbesserungen gibt. Daneben werden auch eventuelle gesundheitliche Auswirkungen der Bahntrasse untersucht und natürlich der Hochwasserschutz in den Planungen berücksichtigt.

Auch das Thema Immobilienpreise wurde am Rande gestreift. Erfahrungen aus anderen Städten und Gemeinden zeigen, dass man hier keine allgemeingültigen Prognosen stellen kann. Grundsätzlich wird eine Stadt durch einen Bahnanschluss aufgewertet, sie gewinnt an Attraktivität gerade auch für Familien und Pendler aus dem städtischen Umfeld. Damit sollte hier eher die gesamtstädtische Entwicklung in die Betrachtung einbezogen werden anstelle einer Konzentration auf einen singulären Aspekt wie Immobilienpreise.

Kontrovers wurde über die Einrichtung eines Bus-Shuttles in Kellinghusen und darüber hinaus diskutiert. Während einige wenige Bürger ein solches System für sinnvoller erachten als eine Bahnanbindung mit festen Taktzeiten, war die mehrheitliche Meinung, dass sich dies nicht umsetzen ließe. Selbst bei einer Realisierung könne es einen direkten Bahnanschluss nicht ersetzen, sondern bestenfalls ergänzen. Grundsätzlich sollten solche ergänzenden Überlegungen jedoch bei den weiteren Planungen nicht außen vor gelassen werden.

Im Laufe der Veranstaltung wurde immer wieder deutlich, dass die Bürger kontinuierlich informiert werden und sich in die Planungen einbringen möchten. Die LVS greift dies gerne auf – die Vorstellung des Projektes auf der Einwohnerversammlung war ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung. Die Bürger hatten hier die frühestmögliche Gelegenheit, sich aus erster Hand zu informieren und Fragen zu stellen. Einige Fragen konnten jetzt noch nicht beantwortet werden, auch werden im Laufe des Projektes sicherlich weitere Fragen auftauchen. Die LVS wird deshalb auch weiterhin den Dialog mit der Öffentlichkeit suchen und Fragen so umfassend wie möglich aufgreifen und beantworten.

In den kommenden Monaten sollen die Planungen für die Reaktivierung konkretisiert werden. Die Einwohnerinnen und Einwohner von Kellinghusen und insbesondere die Anwohner entlang der Trasse werden kontinuierlich über aktuelle Entwicklungen informiert werden, zum Beispiel in diesem Blog. Darüber hinaus wird es weiterhin Informationsveranstaltungen und -materialien geben – und natürlich beantwortet die LVS jede persönliche Anfrage.

Hier finden Sie weitere Informationen zum aktuellen Planungsstand und hier den Bericht des SHZ zur Einwohnerversammlung.

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Kommentare

  • Tatsächlich sind alle drei möglichen Standorte des Bahnhofes nicht ganz unproblematisch. Der sinnvollste Standort wäre der westlich der Stör bei der Bahnhofstrasse. Allerdings liegt der er im von der Landesregierung ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet der Stör: die Karte dazu findet man im Internet. Was da baulich möglich ist: Auch ein neuer Bahnsteig, hochwassergeschützte Parkplätze? Könnte die Bahnstrecke so hoch gelegt werden, dass sie auch bei einem Jahrhunderthochwasser nicht unter Wasser steht?
    Die Freifläche östlich der Stör mitten in der Wohnsiedlung erscheint mir von der Lage und der möglichen Verkehrsanbindung her schlecht geeignet zu sein und ist relativ klein.
    Am Ortsrand fangen dann die Wiesen an, die gerne mal unter Wasser stehen. Dorthin einen Bahnhof bauen? Schon die Randlage ist suboptimal: da lohnt dann die Strecke fast nicht mehr.
    Ansonsten kann ich die grundsätzlichen Bedenken gegen die Bahn nicht nachvollziehen: Jeder Dieselbus macht mehr Krach, als solche Triebwagen. Da kommt doch die V 100 mit Dreiachsern und kreischenden Klotzbremsen nicht zurück!
    Die Alternative Busshuttle kränkelt an dem Bahnübergang in Wrist: Ist die Schranke dicht, hängt der Bus dort fest. Weil die A 20 erstmal nicht kommt, wird der Verkehr auch nicht weniger werden und der Ausbau der Bundestrasse ist auch nicht in Sicht. Außerdem braucht ein Bus im Schnitt mindestens die doppelte Fahrtzeit, wie die Bahn.

    Geschrieben von Mitleser, 19/06/2012 4:25pm (vor 6 Jahren)