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Mangelhafte Zuverlässigkeit der neuen Triebwagen VT 648.3

Eintrag von J.Schulz, 01.02.2010

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Verehrte Kunden der Bahnstrecke Kiel-Lübeck, Sie haben in den vergangenen Wochen sicher bemerkt, dass es Probleme mit den neuen LINT-Triebwagen der Serie VT 648.3 gibt, die nahezu den gesamten Verkehr zwischen Kiel und Lübeck bestreiten und auch weitere Einsatzgebiete im Netz Ost haben (Strecken von Lübeck nach Neustadt/Puttgarden, Lüneburg, Travemünde und die Strecke Aumühle-Büchen). Die fabrikneuen Fahrzeuge bereiten der Regionalbahn Schleswig-Holstein viele Probleme. Leider kommt es in diesem Zusammenhang zu Verspätungen und tlw. zu abweichenden Zugbildungen (so wurden Züge, die eigentlich in Doppeltraktion gefahren werden müssen, dann nur mit einem Triebwagen durchgeführt und hier konnten dann mindestens in einem Fall nicht alle Reisenden mitgenommen werden). In Einzelfällen mussten leider sogar Züge des so genannten Preetz-Pendels ausfallen. Hinzu kommen witterungsbedingte Störungen der Infrastruktur, so dass die Betriebsqualität derzeit alles andere als zufriedenstellend ist. Ich bitte alle Kunden der Strecke Kiel-Lübeck, diese unbefriedigenden Zustände zu entschuldigen. Die Regionalbahn Schleswig-Holstein hat das Problem der mangelhaften Verfügbarkeit der neuen Triebwagen im Visier und arbeitet daran, die Betriebsqualität und -stabilität wieder auf einen akzeptablen Stand zu bringen.

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Kommentare

  • Hallo!

    Ersteinmal ein großes Kompliment von mir an Herrn Schulz, daß er die hier vorgetragenen Kritikpunkte so geduldig und offen beantwortet und sich auch nicht provozieren lässt.

    Zum LINT:
    - da ich die Kisten selber regelmäßig tanken muss, kann ich berichten, daß ihr Kraftstoffverbrauch durchweg höher ist, als der eines 628, wenn auch nur geringfügig (geschätzt: 10 - 20 %). Ein so über alle Maßen genügsames Fahrzeug wie den 628 werden wir aber wegen der gestiegenen Ansprüche so schnell nicht mehr wieder bekommen.
    - die höhere Leistung des LINT kommt leider kaum zur Geltung. Sieht man von der Reibwertproblematik des 628 ab, erreicht der LINT im Mittel eine kaum höhere Beschleunigung, wie der 628. Das liegt vor allem am Getriebe, welches die Motoren immer wieder in Drehzahlbereiche zwingt, in denen sie kaum Drehmoment abgeben können. Das Strömungsgetriebe des 628.2 mit seinen beiden Wandlern dagegen holt das Maximum aus dem kleinen Motor raus. So fällt die Beschleunigungsdifferenz zwischen den beiden Fahrzeugen geringer aus, als es die Leistungsangaben auf dem Papier vermuten lassen.
    - zu den Trittstufen: diese sind ein ewiges und elendiges Problem bei allen LINT-Bauserien. Liegt aber auch an der anfälligen und unausgereiften Leittechnik dieses Fahrzeugs. Normal hätte Alstom das Fahrzeug nach den Erfahrungen aus den Vorgängerserien noch mal von Grund auf neu konstruieren oder zumindest überarbeiten müssen. Aber der Kunde kauft´s ja. Die Nordwestbahn ist übrigens in ihren Netzen den ganzen Winter (!) über mit deaktivierten Trittstufen gefahren. Deren VT kommen auch an Bahnsteigen mit nur 20 cm Bahnsteighöhe zum Halten, bei einer Einstiegshöhe von 80 cm.
    - zum 628: was wäre eigentlich gewesen, hätte man diese Fahrzeuge nochmal modernisiert? Im Innenraum waren sie ja schon vorbildlich aufgearbeitet. Was fehlte, war eigentlich nur ein zeitgemäßes Fahrgastinformationssystem und Anpassungen an den Einstiegen. Durch Verschließen der untersten Treppenstufe und Ersatz durch einen Schiebetritt und / oder Spaltüberbrückung wäre am 76er-Bahnsteig ein recht bequemer Einstieg möglich geworden, und eine Rollstuhlrampe war ja bereits vorhanden. Ich möchte die Entscheidung zu neuen Fahrzeugen gar nicht kritisieren, wie alle kennen die gängige Meinung der autoverwöhnten Seltenbahnfahrer zum Thema Klimaanlage etc.; aber es wäre interessant zu wissen, ob so ein Gedankenspiel schon mal durchgespielt wurde. Schließlich belasten immer neue Fahrzeuge auch die Kassen; derweil konnten nicht alle freigesetzten 628.2 anderweitig untergebracht werden, einige mussten erstmal arbeitslos abgestellt werden.

    Geschrieben von LINT-kundig, 01/06/2010 2:44pm (vor 8 Jahren)

  • Eine Verbesserung, die sofort umsetzbar wäre, ist ein Fahrzeug mehr in den Umlauf zu stecken. Das würde dann bedeuten, dass jeder ankommende Triebwagen in Flensburg einen Zeitpuffer von über einer Stunde hat, bis er wieder abfahren muß. Mehraufwand: Zusätzlicher Triebwagen mit Personal und eine tägliche Überführung (im regulären Fahrplan am Tag vorher)nach Flensburg. Die Vorteile: Bei geringfügigen Verspätungen des Zuges aus Kiel trotzdem pünktliche Abfahrt in Flensburg. Bei noch mehr verspäteter Ankunft des Kieler Zuges kann in Sörup gekreuzt werden. Auf jeden Fall würde es so nicht zu dem Dominioeffekt kommen, wie jetzt. Kostenpunkt: Könnte nur die LVS beantworten.

    Geschrieben von Bahnkunde, 27/02/2010 7:31pm (vor 8 Jahren)

  • Hoffen kann man auf alles moegliche, ich bezweifle allerdings, dass es hilft. Die Strecke Kiel - Flensburg ist mit 7 Minuten Zeitpuffer in Flensurg zum Umrüsten und 5 Minuten Umsteigezeit zum RE nach Hamburg in Kiel einfach nicht zu betreiben. Das ist so auf Kante genährt, dass es reißen muss, es kommen einfach zu viele Unwägbarkeiten zusammen (schraddelige Fahrzeuge, schraddelige Signale und Bahnübergänge, die Brücke in Lindaunis, Eingeleisigkeit, ein Rollstuhlfahrer, der die Einsteigszeit an einem Bahnhof verlängert etc.). Eine oder zwei Kleinigkeiten reichen schon, und für einige Stunden/Umumläufe passt der Fahrplan nicht mehr.

    Das Verpassen des RE in Richtung Hamburg um xy:21 in Kiel ist leider nicht die Ausnahme sondern schon fast der Normalfall.

    Geschrieben von Wolfgang Kueter, 27/02/2010 4:30pm (vor 8 Jahren)

  • Kann man nur hoffen, dass irgendwann die neue Signaltechik in Betrieb geht. Irgendeinen Termin habe ich noch nicht gehört. Die Umstellung könnte wieder zu Verzögerungen führen, aber mit Perspektive.

    Geschrieben von Bahnkunde, 26/02/2010 11:57pm (vor 8 Jahren)

  • Auch ohne Schnee bei Tauwetter ist die Strecke Kiel - Flensburg heute vormittag seit 9:30 wieder mal fuer einige Stunden in der Grütze. RB aus Fl. ist um 9:30 noch pünktlich in Süderbrarup, kommt aber bis 9:38 nicht los, weil auf den Gegenzug gewartet werden muss und auch bei der Ausfahrt wohl noch das Signal klemmt. Danach steht man nochmal in Lindaunis einige Minuten kurz vor der Brücke, da klemmt nämlich auch mal wieder irgendwas, also sammelt der Zug einige weitere Minuten auf. Diese insgesamt 11 Minuten Verspätung drückt er dann natürlich in Gettorf bei der Begegnung dem Gegenzug rein, und das ganze Spiel geht dann erstmal für die nächsten paar Stunden/Umläufe so weiter.

    Und schon hatte ich auch wieder meine tägliche Portion Bahnspass.

    Geschrieben von Wolfgang Kueter, 26/02/2010 5:15pm (vor 8 Jahren)

  • Sehr geehrter Herr Schmücker,
    die Pünktlichkeitswerte werden von uns nach Quartal und Netzen aufgestellt veröffentlicht. Sie finden die Aufstellung in unserer "Hauspostille" nah-sh und folgendem Link: http://www.lvs-sh.de/de/aktuelles/nah-sh/index.php. Sie können erkennen, wie zuverlässig mit LINT betriebene Netze sein können.

    Geschrieben von J.Schulz, 25/02/2010 4:05pm (vor 8 Jahren)

  • Hier nochmal ein Bildchen von den Anfängen der neuen VT-Halle von Regio in Kiel:http://www.friedrichhelbig.de/10.html
    Ich sehe da eine recht kurze Halle mit einer Grube etwa in Länge eines Lint. Ob sowas für auslangt?

    Geschrieben von Bahnkunde, 25/02/2010 3:46pm (vor 8 Jahren)

  • Die Regionalbahn SH setzt mWn 2 Baureihen der LINTs ein, seit Jahren schon die 648.0er auf der Strecke Kiel - Flensburg, neuerdings 648.3er auf der Strecke Kiel - Lübeck. Die 648.0er, mit denen ich täglich unterwegs bin, machen regelmäßig diverse Probleme (Trittstufen, Türen, Klimatisierung, Druckluftbremsen im Winter eingefroren, Doppeltraktion manchmal nicht möglich, Softwareprobleme verhindern Abfahrt des Zuges, etc.) Die Liste ist wirklich lang.

    Die neuen 648.3er haben Probleme mit den Turboladern, über andere Probleme kann man wohl nach der kurzen Zeit des Betriebes noch nicht viel sagen.

    Spricht man Mitarbeiter von DB Netz am Bahnhof (man kennt sich nach ein paar Jahren berufsbedingtem Pendeln ja) auf die Verspätungen an, hört man immer nur, LINT sei ein ganz wesentlicher Teil des Problems. Ich kann ja einsehen, dass die alten Triebwagen der Baureihe 628 gerade auf der Strecke Kiel Flensburg etwas zu langsam sind und heutigen Ansprüchen in Sachen Klimatisierung und Behindertengerechtigkeit nicht (mehr) genügen aber in Sachen Zuverlässigkeit spielen die alten 628er in einer ganz anderen Liga als die LINTs.

    Die Strecke Kiel - Flensburg kann man auch nicht ohne die NOB betrachten, die ja Kiel - Eckernförde fährt (benutzt wird auch LINT) und so auch schon mal für die sich ergebenden Verzögerungen veranwortlich sein kann, denn der entscheidende Punkt ist ja, dass sich wegen der Eingeleisigkeit Strecke bei nur wenigen Kreuzungsmöglichkeiten die Verspätungen von einem Zug auf den anderen übertragen und oft erst nach 3 oder 4 kompletten Umläufen wieder herausgefahren sind. Es reicht also eine technische Störung an einem Fahrzeug (ob nun RB-SH oder NOB), um für mehrere Stunden die Reisenden in Kiel ihre Anschlusszüge Richtung HH verpassen zu lassen.

    Die Kombination aus unzuverlässigen Fahrzeugen, eingleisiger Strecke und dem Abbau von Personal und Infrastruktur mit einem engen Fahrplan und kurzen Umsteigzeiten funktioniert schon im Sommer viel zu selten pünktlich, im Winter geht dann erst recht nix mehr.

    Zugbegleiter auf Strecke Kiel - Flensburg sehen das übrigens genauso, spricht man sie auf die Verspätungsproblematik an, reagieren die meisten nur noch mit einer Mischung aus Resignation und Galgenhumor. Allein die Arbeitszeit der Mitarbeiter am Servicepoint auf dem Kieler Bahnhof, die dort tagtäglich verbrannt wird, weil Reisende aus Richtung Flensburg mal wieder den RE nach Hamburg um xy:21 verpasst haben, erfordert schon den sofortigen Ersatz dieses untauglichen Zugmaterials.

    Geschrieben von Wolfgang Kueter, 25/02/2010 3:29pm (vor 8 Jahren)

  • Die AKN hat eine perfekt ausgerüstete Werkstatt, wo sämtliche Arbeiten durchgeführt werden können. Diese Werkstatt ist im Verhältnis zu den eingesetzten Fahrzeugen dazu noch recht groß: 3 lange Gleise mit Gruben etc. Hier kann man an mehreren Fahrzeuge gleichzeitig arbeiten. Einen "Reparaturstau" dürfte es deshalb hier kaum geben. Die neue Wartungshalle von Regio in Kiel soll zwei Gleise haben und für die alten 648, sowie die 25 neuen 648.3 ausreichen. Dazu kommen später ja noch mehr Triebwagen von dem Typ hinzu.

    Geschrieben von Bahnkunde, 25/02/2010 3:24pm (vor 8 Jahren)

  • Lieber Wolfgang Kueter,

    ja klar, verstehe ich. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind auch für mich sehr wichtig. Aber Energieeffizienz eben auch, und Sie schrieben, es sei "befremdlich, dass hier ueber die Energiebilanz der 648.3 diskutiert wird, denn die Dinger haben nun wahrlich andere Probleme". Da ich ja nur über meine Erfahrungen sprechen kann: Ich habe (in den wenigen LINT-Tagen auf der Strecke Kiel-Lübeck) noch nicht festgestellt, dass ich mit LINT durchschnittlich verspäteter ankomme als mit anderen Fahrzeugen - aber eben unbequemer. Möglicherweise schließe ich mich aber Mitte des Jahres Ihrer Meinung an ...
    Dazu gibt's ja auch die von Jochen Schulz erwähnte Pünktlichkeitsstatistik, und wenn ich es richtig verstehe, erreichen SH-Bahn (AKN) und Nordbahn mit diesem Fahrzeug gute Pünktlichkeitswerte, die Regionalbahn SH (DB) aber anscheinend nicht. Vielleicht ist das Problem ja nicht das Fahrzeug, sondern der Betreiber?

    Also noch 'ne Frage an die LVS: Kann man diese Pünktlichkeitsstatistik irgendwo einsehen?

    Geschrieben von Dirk Schmücker, 25/02/2010 2:41pm (vor 8 Jahren)