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Notfallübung auf dem Hindenburgdamm

Eintrag von Andreas Gessler, 05.09.2013

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In der Nacht vom 31. August auf den 1. September 2013 fand rund um den Hindenburgdamm die bislang größte Notfallübung in Schleswig-Holstein statt. Dass das Ereignis auch den überregionalen Print-, Rundfunk- und Online-Medien eine Meldung wert war, lag sicher auch an der exponierten und weithin bekannten Örtlichkeit. Für die Zuschauer, darunter auch wir beiden Vertreter der LVS, hat der stockdunkle und windige Damm jedenfalls eine sehr eindrückliche Kulisse abgegeben.

Ankunft auf dem Hindenburgdamm

Dabei hatten wir es in unseren zwei für Presse und Zuschauer reservierten Wagen des „Unglückszuges“ zunächst recht kommod, während man sich in den restlichen vier Wagen des von der NOB bereitgestellten Zuges auf eher grauenvolle Szenen einrichtete. Die 83 realitätsnah geschminkten Opferdarsteller bekamen genaue Regieanweisungen, mit welcher Verletzung sie wo zu sitzen oder zu liegen hatten. Einzelne Teilnehmer hatten den Rettungskräften die Arbeit durch lautstarkes Rufen bzw. Schimpfen oder zielloses Umherirren zusätzlich zu erschweren.

Die Sylter Rettungsprofis kamen gegen 2 Uhr in mehreren Kolonnen über den schmalen und holprigen Betriebsweg des Dammes zum Einsatzort, wobei die Kette der Blaulichter aufgrund des langen, aber gut einsehbaren Anfahrtsweges und der geringen Geschwindigkeit jeweils sicherlich 10 bis 15 Minuten im Voraus zu beobachten war. Einmal angekommen, fuhren die Fahrzeuge zur Verwunderung der Zuschauer und zum (gespielten) Entsetzen einiger Opferdarsteller erst einmal ein gutes Stück an der Unfallstelle vorbei. Fachkundige Mitzuschauer beruhigten uns aber, dass das so sein müsse. Der Hindenburgdamm sei schließlich bei dieser Übung eine einzige Einbahnstraße, auf der auch genügend Platz für nachrückende Fahrzeuge bleiben müsse. Dass Rangieren oder Umdrehen hier keine gute Idee gewesen wäre, wurde auch uns klar.

Kolonne der Rettungsfahrzeuge

Rettung aus dem Unglückszug

Überhaupt wird von den Einsatzkräften ein großes Maß an Disziplin verlangt, wo der Laie vermutlich in Aktionismus verfallen würde. Auf mehreren Organisationsebenen wurde die Suche nach „Verletzten“ im Zug, die Einschätzung des Verletzungsgrades, die Bergung aus dem Zug und die Erstversorgung ruhig und generalstabsmäßig gesteuert. Später kamen drei Hubschrauber dazu und ein Rettungszug aus Niebüll. Es leuchtet ein, dass die Verladung von Dutzenden von Rettungstragen in einen herkömmlichen Zug der NOB ein gehöriges Maß an Improvisation erfordert. Mit dem Rettungszug fuhren auch wir Zuschauer schließlich in das Autozugterminal nach Niebüll, wo in einer Zeltstadt und im beginnenden Morgengrauen die Verteilung der „Verletzten“ auf die Rettungswagen und die (fiktiven) Klinikstandorte erfolgte.

Einweisung des Rettungszuges

Versorgungszelt in Niebüll

Beim anschließenden gemeinsamen Frühstück in einer Feuerwehrhalle konnte man vielen der mehreren hundert Rettungskräften die Anstrengungen und Aufregungen der Nacht ansehen. Bekanntermaßen beurteilt man unter nachlassendem Adrenalin die eigene Leistung und die der Kollegen besonders klar und manchmal auch schonungslos. Es war daher Aufgabe der Einsatzleitung, das ohne Zweifel positive Gesamtergebnis hervorzuheben und die Teilnehmer in das verdiente Restwochenende zu entlassen.

Die umfassende fachliche Beurteilung der Großübung ist Sache der kommenden Tage und Wochen. Auf uns jedenfalls wirkte die Professionalität der Rettungskräfte beruhigend – einen vergleichbaren Unfall möchte aber dennoch keiner von uns je miterleben.

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Kommentare

  • Ich kann mich nur dem Vorredner Bahnnutzer nach Sylt nur anschließen, für das Rettungskonzept nicht das Papier wert ist, da dem das gedruckt ist. Ich möchte nicht das Unfallopfer sein, welches auf der Basaltbuckelpiste in Krankenwagen ins nächste Krankenhaus befördert wird. Auch das Konzept das aus einen normalen Personenzug ein Rettungszug wird überzeugt mich persönlich leider nicht, da zum einem die Einstiege in den Zug für diesen mit rund 80 cm über der Schienenoberkante viel zu Hoch sind, sowie das in der zweiten Klasse keine Steckdosen für den Betrieb von medizinischen Geräten vorhanden sind.

    Ich hatte was gelesen, das wenn die Basaltabdeckung des Dammfußes bei einer Sturmflut überspült ist, sollen die Rettungs- und Feuerwehrwagen auf dem Flachwagen vom Autozug zur Unfallstelle befördert werden. Auch hier sollte man die Höhe des Wagenbodens sich mal anschauen, dann fragt man sich, wie schweres Rettungsgerät sicher ab- oder aufgeladen werden soll.

    Für wieviele Unfallopfer ist überhaupt das Rettungskonzept überhaupt ausgelegt. Wenn ich mir verstelle, das ein Personenzug mit rund 1000 Fahrgästen oder ein voller Autozug, wo die Kraftfahrzeuge gut in Fahrzeuginsassen besetzt sind hier verunglückt, würde es mich schon interessieren, ob man überhaupt in der Lage ist, soviele Unfallopfer in der Ausreichenden Zeit zu behandeln, ohne das es einen hohen Zahl von Todesopfer gibt, die nur gestorben sind, da die Rettung in angemessen Zeit nicht durchgeführt werden konnte.

    Noch was anderes, wie damals der LKW vom Autozug geweht wurde, wurden die Nutzer des Autozuges zur Fähre der Rømø-Sylt Linie geschickt, während die Fahrgäste der Personenzüge überhaupt kein Ersatzverkehr angeboten wurde. Warum ist es nicht möglich, wenn die Fähre der Rømø-Sylt Linie fährt, hier ebenfalls einen Ersatzverkehr für Fahrgäste der Personenzüge anzubieten und diese nicht einfach stehen zu lassen?

    Gruß

    Nahne Johannsen

    Geschrieben von Nahne Johannsen, 28/09/2013 9:47pm (vor 5 Jahren)

  • Die Übung überzeugt mich nicht. Üblicherweise sollte spätestens nach 12 Minuten die Hilfe durch Feuerwehr, Polizei oder Rettungswagen verfügbar sein. Auf dem Hindenburgdamm dürfte das im Notfall deutlich länger dauern. Bei widrigen Verhältnissen, wie im Winter mit Unbefahrbarkeit des Schrägweges am Dammfuß (vereist, unpassierbar) dürften hier gar keine Rettungskräfte ihr Ziel erreichen.
    Aus meiner Sicht müßte das Rettungskonzept deutlich verbessert werden. Entweder man baut einen neuen hohen Weg für Radfahrzeuge mit Ausweichstellen oder es stehen Zweiwegefahrzeuge 365 Tage im Jahr bereit, die auf den Schienen ihr Ziel erreichen. Man sollte damit nicht warten, bis Menschen mangels Hilfe zu Schaden kommen. Genig Gewinne macht die Bahn durch den Syltshuttle, um so etwas
    zu finanzieren.

    Geschrieben von Bahnnutzer nach Sylt, 24/09/2013 9:48pm (vor 5 Jahren)

  • Ein sehr informativer und anschaulicher Bericht, deutlich besser als in den Zeitungen. Vielen Dank dafür.

    Geschrieben von Bahni, 05/09/2013 10:45pm (vor 5 Jahren)