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Reaktivierung Kiel - Schönberger Strand: Präsentation im Bauausschuss Schönkirchen

Eintrag von Lukas Knipping, 22.08.2012

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Die Einladung des Amtsdirektors des Amtes Schrevenborn Michael Koops haben wir gerne angenommen. Die letzte Sitzung des Ausschusses für Bauwesen und Umwelt der Gemeinde Schönkirchen bot die Möglichkeit vor Ort über den aktuellen Sachstand des Reaktivierungsprojektes Kiel - Schönberger Strand zu berichten.

Der Bahnhof Schönkirchens im Oktober 2009.

In einem kurzen Vortrag wurde die Konzeption und die Hintergründe des Projekts erläutert: So verfolgt Schleswig-Holstein im Schienenpersonennahverkehr seit vielen Jahren eine konsequente Wettbewerbsstrategie, die mittlerweile erhebliche Qualitäts- und Angebotsverbesserungen ermöglicht hat. Auch der Ausbau der Schieneninfrastruktur wird in Schleswig-Holstein vergleichsweise offensiv betrieben. So wurden seit 1996 etwa 25 neue Stationen errichtet. Eine Strategie, die sich auszahlt: Stetig steigende Fahrgastzahlen - auch und gerade - in Folge von Investitionen in Strecken und Stationen beweisen den nachhaltigen Erfolg dieses Vorgehens. Das etablierte Devise lautet: Die Bahn zu den Menschen bringen.

In diesem Sinne stehen in den kommenden Jahren einige Projekte an, die den Nahverkehr in Schleswig-Holstein noch einmal bedeutend voranbringen werden. Hierzu gehören etwa die zweite Ausbaustufe zwischen Kiel und Lübeck, die Umsetzung des Schnell-Langsamkonzepts zwischen Kiel und Rensburg (-Fockbek) und eben die Reaktivierung der Strecke zwischen Kiel und Schönberger Strand.

Der Personenverkehr auf der etwa 24 Kilometer langen Strecke, die vor Ort auch liebevoll „Hein Schönberg“ genannt wird, wurde 1981 nach 84 Jahren eingestellt. Seither verkehrt hier im südlichen Abschnitt ausschließlich der Güterverkehr zum Ostuferhafen und das Kohlekraftwerk. Das nördliche Streckenende zwischen Schönberg und Schönberger Strand wird von den ehrenamtlichen Kräften des Vereins Verkehrsamateure und Museumsbahn e.V. betrieben. Die Strecke blieb in voller Länge immer gewidmet und wurde nicht stillgelegt, so dass saisonal auch Sonderfahrten zwischen Kiel und Schönberger Strand, wie zuletzt etwa zur Kieler Woche 2012 möglich sind.

Bereits seit den 1990er Jahren wird die Reaktivierung im Schienenpersonennahverkehr diskutiert und schon im ersten Landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) von 1997 war die vollständige Wiederaufnahme des Betriebes bis 2010 vorgesehen. In der Diskussion der letzten Jahre um eine StadtRegionalBahn stellte ein reaktivierter „Hein Schönberg“ eine Regionalachse dar. 2009 gewann die Regionalbahn Schleswig-Holstein (RBSH) ein Los in der zweiten Ausschreibung des Netz Nord. Eine darin enthaltene Option für die Bedienung Kiel-Schönberger Strand umfasst einen für das Land sehr günstiges Angebot. Seither wird vorgesehen, die Streckenreaktivierung unabhängig von der Realisierung der Kieler StadtRegionalBahn weiter zu verfolgen - mit einer angestrebten Inbetriebnahme im Dezember 2014.

Für die Wiederaufnahme des regelmäßigen Verkehrs ist eine Ertüchtigung der Strecke für eine Streckengeschwindigkeit von 80 km/h und abschnittsweise 100 km/h notwendig. Dies wird eine Einbindung in den ab 2014 im Kieler Hbf realisierten ITF-Knoten zur vollen Stunde ermöglichen, so dass optimale Anschlüsse in alle Richtungen gewährleistet werden. Angestrebt wird eine Fahrzeit von 26 Minuten zwischen Schönberg und Kiel und 13 Minuten zwischen Schönkirchen und Kiel. Geplant sind die Stationen Kiel-Ellerbek, Kiel-Oppendorf, Schönkirchen, Probsteierhagen, Schönberg und Schönberger Strand, die von 05:00 bis 24:00 Uhr im durchgehenden Stundentakt  bedient werden. Hinzu kommt der noch in diesem Jahr zu realisierende Haltepunkt Kiel Schulen am Langsee, der von einzelnen Fahrten im Schülerverkehr angefahren wird.

Derzeit ist die AKN Eisenbahn AG mit der Erstellung der Vorentwurfsplanung (VEP) beauftragt. Teil dieser Planungen sind etwa Grundlagenvermessungen mit Aufnahme der Gleisachsen, Weichen, Geländetopographie und bautechnischer Anlagen , die Aufnahme und Dokumentation des Streckenzustandes (Oberbau, Bahnsteige, Brücken, Durchlässe, Bahnübergänge), die Erzeugung der erforderlichen Gleisgeometrie in Achse und Gradiente auf die Anforderung des Geschwindigkeitsprofils, die Planung notwendiger Oberbau und Gleissanierungsmaßnahmen, die Planung eines Signalsystem, der Bahnübergänge, der Stationen, sowie die Schätzung der Einzelkosten der Bau- und Signaltechnik. Das Ergebnis der VEP wird von der LVS Anfang 2013 erwartet.

Weiterhin erarbeiten LVS und die Verkehrsbetriebe des Kreises Plön (VKP) derzeit noch ein integriertes Bus-Bahnkonzept, das die Reaktivierung flankieren soll. Auf der Hauptachse zwischen Schönberg und Kiel sollen sich Bus und Bahn zu einem Halbstundentakt ergänzen.

Der Vortrag wurde geschlossen mit einem Hinweis auf die sehr guten Erfahrungen, die das Land mit der Reaktivierung der Strecke Neumünster – Bad Segeberg vor mittlerweile zehn Jahren gemacht hat. Hier und auch in vielen anderen Regionen im Land gewinnen die Gemeinden durch derart verbesserte Anbindungen deutlich an Qualität, als Wohn- und Tourismusstandort.

Ziele: Eckerförde, Schönberg, Basel - Die Abfahrtstafel im Kieler Hbf zur Kieler Woche 2012.

Der Sachstandsbericht wurde von den Ausschussmitgliedern positiv aufgenommen. So berichtete Amtsdirektor Koops unterhaltsam von den erheblichen Anstrengungen, die die Gemeinde Schönkirchen schon Mitte der 1990er Jahre unternahm, um eine Reaktivierung „möglichst bald“ realisieren zu können. Angesichts der Tatsache, dass seither fast zwei Jahrzehnte vergangen sind, wurden seine Ausführungen vom Ausschuss mit nachdenklicher Heiterkeit aufgenommen. Der Bürgermeister der Gemeinde Schönkirchen, Herr Jensen, betonte, dass die Gemeinde weiterhin hinter dem Projekt und einem entsprechend befürwortenden Beschluss steht. Er mahnte jedoch an, dass ein schlüssiges Bus-Bahnkonzept für die Umsetzung unerlässlich sei. Hier seien der Kreis, die VKP und die LVS gefordert. Ein Ausschussmitglied erinnerte an mögliche Bedenken der direkten Streckenanrainer. Ein weiteres Ausschussmitglied berichtete von seinem Zuzug nach Schönkirchen im Jahr 1980 und dass er seinerzeit zunächst täglich mit der Bahn zum Kieler Hauptbahnhof pendeln konnte, was als sehr sicher und bequem empfunden wurde. Die kurz darauffolgende Stilllegung im Jahr 1981 hat er damals sehr bedauert und als großen Verlust empfunden. Auf die Zukunft bezogen wurden die Probleme betont, die der Individualverkehr verursache und dass bei weiter steigenden Kraftstoffpreisen eine gute ÖPNV-Anbindung immer wichtiger würde und sowohl Schönkirchen als auch Oppendorf wohl sehr von einer Schienenanbindung profitieren würden.

Die Folien des Vortrages können Sie hier herunterladen.

Auch die KN berichtete heute von der Veranstaltung.

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Kommentare

  • Alternativer Haltepunkt in Schönkirchen

    Geschrieben von OV der Grünen in Schönkirchen, 16/10/2012 8:53pm (vor 6 Jahren)