Fahrplanauskunft
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Internationale Verkehre über SPNV-Strecken in Schleswig-Holstein

Eintrag von Jochen Schulz, 24.07.2014

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Darstellung der aktuellen Umleitungen

Bahnstrecken deren Fortbestand vor noch nicht allzu langer Zeit in Frage gestellt wurde und die eigentlich nur noch dem Schienenpersonennahverkehr (SPNV) dienen, spielen derzeit eine große Rolle bei der Abwicklung des Güterverkehrs auf der Schiene zwischen Skandinavien und Deutschland. Leider gibt es dabei zum Teil erhebliche Einschränkungen für den SPNV. Hintergrund für die derzeitigen Umleitungen von Güterzügen (siehe obige Abbildung) ist eine drei Wochen dauernde Großbaustelle in Dänemark, die dem schrittweisen zweigleisigen Ausbau der Strecke Fredericia-Flensburg dient. Neben der verstärkten Nutzung von Fähren, bzw. der Straße, ist es möglich, einen großen Teil der Güter über die NEG-Strecke Niebüll-Tønder abzufahren, die vor einigen Jahren mit erheblichen Zuschüssen des Landes Schleswig-Holstein modernisiert wurde. Leider muss während dieser drei Wochen (noch bis zum 4. August) der Personenverkehr auf dieser Strecke mit Bussen gefahren werden. Ebenfalls eingeschränkt sind die Regionalbahnen zwischen Schleswig/Jübek und Husum, da über die eingleisige Strecke Jübek-Husum ein Teil der Güterzüge umgeleitet wird (ein anderer Teil der Züge nutzt die Marschbahn über Heide). Zwischen Schleswig und Husum entfallen Montags bis Freitags ab 19.00/19.30 Uhr bis Betriebsschluss die Regionalbahnen und werden durch Busse ersetzt. Natürlich sind die Einschränkungen für die Nahverkehrsreisenden ärgerlich, andererseits ermöglichen sie aber die Durchführung von Güterzügen mit Laufwegen von mehreren hundert Kilometern. Für die Zukunft gilt es das Bahnnetz noch robuster (z.B. durch zusätzliche Kreuzungsbahnhöfe) machen, um solche Umleitungen auch ohne Einschränkungen des SPNV durchführen zu können.

Umgeleiteter Nachtzug nach Amsterdam/Prag/Basel mit mitgeschleppter E-Lok auf dem Weg nach Sörup (bei Flensburg)

Bereits seit einigen Jahren wird die Strecke Kiel-Eckernförde-Süderbrarup-Flensburg am Wochenende dazu genutzt, den Nachtzug aus Prag/Amterdam/Basel am Sonntagmorgen nach Kopenhagen zu bringen. Die Rendsburger Hochbrücke ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag gesperrt. Eine Erweiterung dieser Sperrung am Samstagabend sorgt derzeit dafür, dass der Nachtzug auch in der Gegenrichtung den Weg über Süderbrarup nehmen muss. Hier sind die Auswirkungen für den SPNV geringer, Verspätungen dieses Zuges können aber immer wieder am Sonntagmorgen den Regelverkehr zwischen Kiel und Flensburg empfindlich stören.  Da der Zug im nächsten Fahrplan (leider) ohnehin entfallen soll, ist dieses Problem aber zeitlich befristet.

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Kommentare

  • Was würde die Bahn eigentlich machen, wenn man die Strecke Niebüll - Tondern damals abgebaut hätte? Wir erinnern uns: In den 80er Jahren galt diese Strecke als entbehrlich. Sie wurde stillgelegt und man dachte sogar laut über einen Abbau der Gleise nach. Nur der Bundeswehr und der strategischen Bedeutung der Verbindung war es zu verdanken, dass da überhaupt noch Gleise liegen. An eine Infrastrukturnutzung für SPNV oder gar Güterverkehr dachten die Verantwortlichen damals gar nicht. Erst durch die NVAG / neg konnte die Strecke gerettet werden. Heute laufen da internationale Umleiter-Züge über die Strecke. Hätten sich die Abriss-Befürworter damals durchgesetzt, würde man heute ein großes Problem haben. Dänemark wäre dicht. Über Puttgarden geht ja auch kaum noch. Die Fähren haben nur noch ein Gleis, der Rangierbahnhof ist weitestgehend stillgelegt.

    Geschrieben von Ennio, 28/07/2014 2:03pm (vor 4 Jahren)