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Karibisches Gold

Tour-Nummer 08 / 2007

Ein Spaziergang durch Flensburg (Iris Leister)

Wir durchstreifen das Schifffahrtsmuseum in Flensburg und plötzlich tauchen Westindien, Long John Silver und die Schatzinsel vor meinem inneren Auge auf. Und das Piratenlied „Fünfzehn Mann auf des toten Manns Kist“ schleicht sich in meinen Gehörgang. Doch Halt. Die Flensburger Seeleute waren keine Piraten. Und doch waren die karibischen Jungferninseln für sie Schatzinseln der besonderen Art. Denn dort gab es das Zuckerrohr, den Grundstoff für den Reichtum Flensburgs. Zucker war wertvoll wie Gold. Erst später, als die Zucker-Gewinne geringer wurden, verlegten sich die Flensburger auf die Produktion von Rum.

Im Keller des Schifffahrtsmuseums befindet sich das Rummuseum. Hier erfahren wir alles über die Herstellung und die vielen kleinen Manufakturen, die es in Flensburg gab. Aber auch über die Verstrickung der Zuckerkaufleute in den Sklavenhandel. Gegenüber vom Museum locken uns dann Museumshafen und -werft. Hier liegen historische Ostseeschiffe, die passend zum Revier in dem sie fahren, konstruiert wurden – denn was gut für die Nordsee ist, taugt in der Ostsee noch lange nichts und umgekehrt. In der Werft werden sie heute mit alten Techniken restauriert und nachgebaut.

Der Gang durch die Flensburger Altstadt zeigt, wie der Reichtum sich in der Architektur niederschlug: Überall zeugen ehemalige Kaufmannshöfe, Speicher und Zuckersiedereien vom vergangenen Zuckerboom, der sogar italienische Stuckateure hierher brachte und das Gesicht der Stadt maßgeblich bestimmte.

Eine Viertelstunde Bootsfahrt über die Förde entfernt, besichtigen wir Sonwik. Die ehemalige Marineschule Mürwik, zwischen 1907 und 1910 erbaut, wird nach und nach zur exklusiven Wasserstadt mit Marina umgebaut. Auf einer alten Mole sind farbenfrohe, lichtdurchflutete Einfamilienhäuser im Würfellook entstanden. Um sie herum dümpeln bunte Segelboote. Nachdem wir uns ausgiebig umgesehen haben, geht es zurück zum Bahnhof. Im Zug, singe ich leise „Jo, jo und ‘ne Buddel voll Rum“, bevor mir die Bahn sanft die Augen zuschaukelt und ich von Zucker, Schatzinseln und jeder Menge Häusern träume.

Iris Leister

Ö: Stündlich aus Richtung Kiel mit der Regionalbahn bis Flensburg, vom Bahnhof mit den Buslinien 1 oder 5 in die Innenstadt (ZOB) fahren, Fußweg vom Bahnhof in die Stadt ca. 25 Minuten. Aus Richtung Niebüll mindestens alle zwei Stunden mit dem Schnellbus 1013 nach Flensburg. Aus Neumünster stündlich mit der Regionalbahn oder dem Schleswig-Holstein-Express nach Flensburg.

Info

Mehr über Flensburg erfährt man bei der Flensburg Info, am ZOB / Rathausstr. 1, 24937 Flensburg,

T. 04 61 / 909 09 20, www.flensburg.de. Hier gibt es auch die Karte, die zu den Kaufmannshöfen und Speicherhäusern führt. Schifffahrtsmuseum und Rummuseum, Schiffbrücke 39, 24939 Flensburg, T. 04 61 / 852 970, Apr. – Okt. Di. – So. 10:00 – 17:00 Uhr.

Museumshafen Flensburg e.V., Herrenstall 11, 24939 Flensburg, T. 04 61/222 58, www.museumshafen-flensburg.de.

Museumswerft, Schiffbrücke 43-45, 24939 Flensburg, T. 04 61 / 18 22 47, hier können Kinder und Jugendliche lernen wie Schiffe traditionell gebaut wurden und auch selbst Hand anlegen (Anmeldung erforderlich).

Nach Sonwik mit der M/S Flora II, alle zwei Stunden, u.a. ab Museumshafen, Abfahrtszeiten an der Anlegestelle oder unter T. 01 77 / 551 11 14 erfragen oder ab ZOB mit dem Bus Linie 5 bis „Marinehafen“ fahren.