Fahrplanauskunft

Rüm Hart, kloar Kimming

Tour-Nummer 03 / 2018

Eine Sömmer-Jubiläumstour nach Helgoland

  • aktiv und draußen
  • toll für Familien
  • raus in die Natur
  • Leckereien unterwegs
  • für das mittlere Budget

Las Vegas? Rimini? Nee, nee, Helgoland ist der Ort, wo Petra Pelz schon immer einmal hinfahren wollte. Dieser kleine rote Felsen in der Nordsee, auf dem es an brütenden Seevögeln und während der Saison an Touristen nur so wuselt, stand seit Jahren auf ihrer To-do-Liste und ist nun durch eine Verkettung glücklicher Zufälle mit einem Häkchen versehen. Denn zum 15-jährigen Jubiläum des Sömmermagazins konnten die Leser für ihre Lieblingstour abstimmen. Klarer Sieger wurde dabei ein Tagesausflug nach Helgoland – und Petra Pelz wurde als Gewinnerin ausgelost, die ihre eigene Wunschtour erleben durfte. Also dann: Leinen los! 

Petra Pelz hat Regenjacke, Taschentücher und Reisetabletten im Gepäck (wovon sie zum Glück nichts brauchen wird) sowie Ehemann Markus, Tochter Linnea und Schwiegersohn Arne im Schlepptau (alle drei begeistert, sich anschließen zu dürfen). Um das Tagesziel zu erreichen, kommen heute so einige Fortbewegungsmittel zum Einsatz: Bus, Zug, Dampfer „MS Funny Girl“ und Börteboot „Claudia“. Petra selbst ist für gewöhnlich „nicht seefest“, dafür aber „wild entschlossen“ – und hat heute offensichtlich Glück mit Wetter, Wind und Kapitän. Obwohl ihr Mann doch kurz alarmiert ist, als er an Deck das Gesicht seiner Tochter sieht. „Ist dir nicht gut?“ – „Doch doch! Wir reden gerade über VWL!“ Ach so, na dann …

Auf der autofreien Insel selbst ist übrigens nicht einmal Fahrradfahren gestattet. Wer mag, darf für eine Unterlandtour im Bimmelbähnchen Platz nehmen. Familie Pelz aber zieht es heute – wie die meisten Tagesgäste – auf das sogenannte Oberland der Felseninsel. Hier ist man zu Fuß unterwegs. Und da das Wetter unsere kleine Reisegruppe mit Sonne verwöhnt, zieht man dem Fahrstuhl zum oberen Teil der Insel nur allzu gerne die 184 Stufen zählende Treppe vor. Frisch gestärkt mit Fischbrötchen und Milchkaffee – kein Problem. Sich Inselführer Rolf anzuschließen, hat mit Sicherheit noch niemand bereut. Denn er kennt jeden Winkel, jede Legende seiner Insel und hat diverse Helgoländer Umschreibungen für die großen und kleinen Wunderlichkeiten, die einem hier so begegnen, parat. So grasen neben den Galloway-Rindern auch noch andere gemütliche Gesellen auf den hügeligen Weiden: „Pulloverschweine mit Lenker“, sagt Rolf und zuckt lächelnd mit den Achseln, als ein „Heidschnucken?“ durch seine Zuhörerschaft raunt. Jenes Hügelige hat Helgoland übrigens den wütenden Weltkriegsbombardements zu verdanken. Doch die Insel hat mit ihrer bewegten Historie ihren Frieden gemacht. Es ist ja auch buchstäblich Gras über die Sache gewachsen. 

Auf dem Weg zu einigen der steinigen Hauptattraktionen piekst ein schlankes Kreuz in den schleswigholsteinischen Himmel. Es markiert den höchsten Punkt des Kreises Pinneberg. Wer einen Sechstausender besteigen möchte, der möge hier und jetzt die Gelegenheit ergreifen, empfiehlt Rolf. Allerdings handele es sich in diesem Fall eben um 6.130 Zentimeter. Familie Pelz nutzt die Zeit lieber dafür, sich ausführlich dem gurrenden Federvieh zu widmen, das sich wie die Schaumkronen auf den Wellen unterhalb des Plateaus an die roten Helgoländer Klippen schmiegt. Daher hat auch die Lange Anna, Brandungspfeiler und Wahrzeichen der Insel, eine flauschige Frisur. 

Nach anderthalb bis zwei Stunden hat man es fast einmal um die gesamte Insel herum geschafft. Bis zum Ablegen der Fähre bleibt noch reichlich Zeit für eine (zollfreie) Shoppingtour und ein Päuschen in einem der zahlreichen Lokale. „Das ist was zum Wiederkommen“, sagt Petra. „Ein verlängertes Wochenende könnte ich mir sehr gut vorstellen. Und dann einmal so richtig durchschnaufen …“ Auch ihr Mann Markus ist glücklich, dass der lang gehegte Wunsch seiner Frau heute in Erfüllung gegangen ist. „Wir waren bestimmt nicht zum letzten Mal hier. Und vielleicht findet sich ja ein Termin, an dem alle Mann Zeit haben.“ Denn zu Familie Pelz gehören auch noch drei Söhne, die es an diesem Wochenende bereits in alle Himmelsrichtungen geweht hatte.

Doch jetzt wird’s Zeit, denn die kleinen Börteboote tuckern schon wieder eines nach dem anderen vom Anleger in Richtung Dampfer. Kräftige, braungebrannte Helgoländer Jungs packen dabei beherzt zu, damit auch keiner der Gäste unfreiwillig baden geht. Bevor sich Abschiedsschmerz einstellt, muss man auch schon wieder schmunzeln, wenn man die weisen Worte liest, die auf einem kleinen Messingschild am Platz des Steuermanns stehen: „Auf jedem Schiff, das schwimmt und schwabbelt, ist einer drauf, der dämlich sabbelt.“ Und was ist eigentlich noch auf Petras Wunschliste? Ein Flug mit einem Helikopter. Bleibt also abzuwarten, in welche Richtungen sich der ÖPNV so entwickelt. Wir wären dann auf jeden Fall gerne wieder mit dabei.

Tina Ott

Ö:

Beispielsweise von Kiel bis Büsum gibt es mindestens eine Zugverbindung in der Stunde. Mit Umstieg in Husum (oder Neumünster) und Heide beträgt die Fahrtzeit etwa 2,5 Stunden. Ähnlich verhält es sich von Flensburg aus – mit Umstieg in Jübek, Husum und Heide. Vom Bahnhof Büsum sind es nur wenige Gehminuten zum Helgoland-Kai. Vom Bahnhof Heide aus fährt auch die Buslinie 2612 direkt bis zum Schiff.

Info

Anreise auf dem Seeweg:

Reederei Cassen Eils, Seebäderschiffe ab Cuxhaven, Bremerhaven, Büsum und Hooksiel – www.cassen-eils.de
Reederei H. G. Rahder, Fahrgastschiff ab Büsum – www.rahder.de
Reederei Helgoline, Katamaran ab Hamburg, Wedel und Cuxhaven – www.helgoline.de

Inselführungen: Treffpunkt täglich 13 Uhr am Musikpavillon direkt am Fähranleger von Helgoland.
Tickets für 5 Euro pro Person – zu erwerben im Gastrobereich auf der Fähre oder direkt beim Inselführer.

Helgoland Touristik
Lung Wai 28 (im Rathaus)
27498 Helgoland
T 047 25.813 70
www.helgoland.de