Vom Sachsenwall ins Paradies

Tour Nr. 12 / 2007
Radtour auf der alten Salzstraße von Büchen nach Mölln (Michael Fischer)

aktiv und draußen raus in die Natur
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Wer sich mit Zwillingen auf eine Radtour einlässt, muss damit rechnen, dass bereits ein Wort für einen gemeinsamen Lacher reicht und man selbst nicht alles versteht. Ich traue mich trotzdem und radele heute mit Steffi und Mike von Büchen auf der alten Salzstraße nach Mölln, meistens am Elbe-Lübeck-Kanal entlang.

Vom Bahnhof sind es nur einige hundert Meter bis zum Kanal. Genug Zeit für Mieke zu erklären, dass Büchen seit jeher ein Grenzort war: „Hier verlief schon um 800 n. Chr. der Limes Saxoniae, der Sachsenwall.“ „Und was hat es mit der Alten Salzstraße auf sich?“, frage ich sie. Mieke gibt sich bescheiden: „Ich weiß nur, dass zu Zeiten der Hanse ein großer Teil des Lüneburger Salzes in den Ostseeraum hinein für den Heringshandel exportiert wurde. Und über die Alte Salzstraße wurde es mit Frachtwagen transportiert.“ Steffi und ich staunen und strampeln.

An der alten Drahtseilfähre fahren wir links nach Siebeneichen. Weiter geht es dann den Kanal entlang und kurz vor Güster fahren wir links ab und sehen uns bald von Seen umgeben. „Früher wurde in ganz Norddeutschland Kies aus Güster verbaut. Aber als der Bedarf weniger wurde, hat man diese Seen angelegt.“, erklärt uns Mike. Von Güster radeln wir über die Brücke Richtung Göttin. Von dort sind es zwölf Kilometer bis Gudow. Am „Seepavillon“ am Gudower See machen wir Rast und essen Matjes, Selchfleisch und warmen Camembert. Danach haben wir Mühe, den Platz an der Sonne zu verlassen. Doch bevor wir weiterfahren, werfen wir noch einen Blick in die Marienkirche mit dem schwebenden Taufengel und dem herrlichen Altar. Von der Kirche radeln wir zum Ortseingang zurück und nehmen den Weg Richtung Drüsensee und von dort nach Mölln.

Dort entdecken wir kurz vor dem Bahnhof das „Eis-Café Paradiso“. Und der Name hält, was er verspricht. Wenig später sehen wir schon unseren Zug. Und Mieke sagt: „Wusstet Ihr, dass Mölln vom 14. bis ins 17. Jahrhundert hinein an Lübeck verpfändet war?“ Nein, wussten wir nicht. Nur, dass wir jeden Tag klüger werden. Besonders nach einer solchen Radtour ...

Michael Fischer

Ö: Von Lübeck stündlich mit der Regionalbahn nach Büchen, ebenso von Hamburg.

Info

St. Johanniskirche zu Siebeneichen, Kanalstraße, 21514 Siebeneichen, Gottesdienst: So. 10:30 Uhr.

Seepavillon, Seestraße 3, 23899 Gudow, Fr. – Mi. 8:00 – 19:00 UhrSt. Marienkirche Gudow, Hauptstraße 20, 23899 Gudow.

Eis-Café „Paradiso“, Hauptstraße 7, 28879 Mölln, T. 045 42 / 82 63 55.

Dauer der Radtour ohne Einkehr im Seepavillon ca. 4 Stunden.

Vom Sachsenwall ins Paradies

Tour Nr. 12 / 2007
Radtour auf der alten Salzstraße von Büchen nach Mölln (Michael Fischer)


Tipp 1

Anschauliches

geht auch bei Schietwetter toll für Familien
Im reetgedeckten „Alten Pastorat“ von 1649 lässt sich die Geschichte des Delvenau-Stecknitz-Kanals ebenso zurückverfolgen wie die des Grenzorts Büchen. Gudower Str. 1, 21510 Büchen. T. 041 55 / 61 14, Di., Do., Fr. 14:00 – 17:00 Uhr und 1. und 3. So. im Monat.

Tipp 2

Begreifbares

toll für Familien raus in die Natur
Klein, aber oho: Das gilt insbesondere für die Ameisen. Auf dem „Ameisenlehrpfad“ wird auf zehn bebilderten Schildern und Tafeln über das faszinierende Leben der kleinen „Arbeiter“ informiert. Vom Wanderparkplatz „Tiefe Kuhlen“ entlang des Wanderweges „Alter Frachtweg“, etwa 1,5 km nördlich von Gudow. Führungen für Gruppen können bei Frank Hadulla, T.  04 54 / 86 15 17, angemeldet werden.  

Ö: Vom ZOB in Mölln mit dem Bus bis Gudow „Lehmraderweg“. Von dort etwa 25 Minuten zu Fuß.

Tipp 3

Historisches

Kunst und Kultur
Bevor der Elbe-Lübeck-Kanal im Jahr 1900 eröffnet wurde, war fast 500 Jahre lang der Stecknitz-Kanal die „nasse Salzstraße“ für den Transport aus der Lüneburger Saline nach Lübeck. Die spannende Geschichte des Schifffahrtsweges und der von der Eiszeit geprägten Kanallandschaft verrät Hans-Jürgen Wohlfahrt in seinem lesenswerten Buch: „Der Elbe-Lübeck-Kanal. Die nasse Salzstraße“, Wachholtz Verlag, 9,90 Euro, ISBN: 3-52905-317-1.

Tipp 4

Mehr Sömmer im Herzogtum

Auf einer Radtour von Ratzeburg nach Schlagsdorf und zurück, bei einem Besuch im Schmetterlingsgarten Friedrichsruh, vor den größten Windbeuteln des Pirschbachtals, mit dem Rad entlang der Elbe, mit Kindern per Rad von Ratzeburg nach Lübeck, auf Schloss Reinbek oder auf Islandpferden in Hornbeks Wäldern.