Fahrplanauskunft
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Planung

Wie sieht die Vorplanung im Detail aus?

In der Vorentwurfsplanung (VEP) wurde die technische Umsetzbarkeit des erforderlichen Streckenausbaus in verschiedenen Varianten untersucht und daraus Lösungsvorschläge entwickelt. Die Vorplanung integriert alle technischen Gewerke (Verkehrsanlagen, Ingenieurbau, Technische Ausrüstung) sowie eine erste Kostenschätzung. Die VEP hat im März 2012 begonnen und ist mit Planungsstand Ende 2013 abgeschlossen.

Nach Abschluss der Vorentwurfsplanung folgen die Nutzen-Kosten-Untersuchung und die Entwurfsplanung. In einer zusätzlichen Eisenbahnbetriebswissenschaftlichen Untersuchung (EBWU) wurde der Projektumfang erneut überprüft. Dabei stellte sich heraus, dass Teile der Infrastruktur eingespart werden können während zeitgleich das avisierte Betriebsprogramm stabil gefahren werden kann. Diese Ergebnisse bilden die Grundlage für die angepasste Aufgabenstellung und sind somit weitere Planungsgrundlage. Parallel dazu laufen die Verhandlungen über die Finanzierung zwischen den beiden Ländern und dem Bund. Ziel ist es, zunächst eine Finanzierungsvereinbarung für die Planungskosten zu erreichen. Nach Vorliegen der Entwurfs- und Genehmigungsplanung ist eine weitere Finanzierungsvereinbarung für die Bauausführung abzuschließen, die wiederum Basis für den weiteren Projektverlauf ist.

Ab 2016 sollen die Planfeststellungsverfahren abschnittsweise beginnen. Die Bauphase könnte über alle Planfeststellungsabschnitte frühestens 2021 beginnen. Dabei wird je Planfeststellungsverfahren von einer Verfahrensdauer von ca. 30 Monaten ausgegangen. Dann ist voraussichtlich mit einer Bauzeit für alle Planfeststellungsabschnitte von ca. 6 Jahren gerechnet werden. Die Bauzeit ist insbesondere auch davon abhängig, welche Beeinträchtigungen des laufenden Eisenbahnverkehrs währenddessen möglich sind. Eine Inbetriebnahme auf Teilabschnitten sind bisher nicht vorgesehen.

Wann ist die Nutzen-Kosten-Analyse abgeschlossen?

Die Nutzen-Kosten-Analyse hat nach Fertigstellung der VEP begonnen. Sie beginnt mit einer Beurteilung auf Grundlage einer Standardisierten Bewertung, die den Nutzen einer S4 für den Nahverkehr beurteilt. Daran schließt sich eine Bewertung für die anderen Verkehrsarten an (Güter- und Fernverkehr). Da es sich insgesamt um ein sehr komplexes Verfahren handelt, ist es schwer zu bestimmen, wann es abgeschlossen sein wird.

Noch in Klärung (zwischen BMVI und der Projektgruppe) befindet sich, wie der Nutzen aus der Entlastung des Hauptbahnhofs bewertet werden kann. In den beiden oben genannten Verfahren (Standardisierte Bewertung und BVWP) kann ein solcher Effekt standardmäßig nicht erfasst werden.

Wie viele Änderungen bringt die Detailplanung noch mit sich?

Die grundsätzliche Linie der Planungen für die S4 wird sich nicht mehr ändern. Inder Entwurfsplanung (EP), die an die Vorentwurfsplanung (VEP) anschließt, werden die Planungen weiter detailliert und präzisiert. In diesen Details wird es zu einigen Veränderungen und Weiterentwicklungen gegenüber dem jetzigen Planungsstand kommen.

Welche Gutachten werden erstellt?

Für das Planfeststellungsverfahren werden beispielsweise Gutachten zum Baugrund und zum Schall- und Erschütterungsschutz erstellt. Darüber hinaus erfolgt eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP).

Welche Genehmigungsverfahren sind notwendig?

Für das Bauvorhaben ist ein baurechtliches Verfahren nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG) durchzuführen. Dies erfolgt im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens. Planfeststellungsbehörde ist die Außenstelle Hamburg des Eisenbahnbundesamts (EBA) in Hamburg, Anhörungsbehörde ist die Stadt Hamburg (für den Bereich Hamburg). Für Schleswig-Holstein ist es der LBV.

Im Zusammenhang mit Baumaßnahmen an Eisenbahnkreuzungen muss auch das Eisenbahnkreuzungsgesetz (EkrG) berücksichtigt werden. Das Gesetz regelt die Kostenaufteilung zwischen den Kreuzungsbeteiligten. Hier ist der Abschluss von Eisenbahnkreuzungs-Vereinbarungen mit den jeweiligen Straßenbaulastträgern erforderlich. Die Regelungen werden im Planfeststellungsverfahren getroffen.

Kommt es für den Bau der S-Bahn zu Enteignungen oder müssen die Anwohner an der Strecke möglicherweise Grundstücke abtreten?

Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich der Umfang und die Lage der zusätzlich benötigten Flächen entlang der Strecke noch nicht abschließend bestimmen. Es steht jedoch bereits fest, dass für den Streckenausbau Grunderwerb sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite der vorhandenen Strecke erforderlich sein wird. Bei der Erarbeitung der Planfeststellungsunterlagen wird der genaue Umfang festgelegt. Mit den Grundstückseigentümern wird die DB Netz AG dann individuelle Gespräche über Möglichkeiten des Grundstückserwerbs führen und der Grunderwerb vertraglich geregelt. Durch einvernehmliche Vertragsverhandlungen soll verhindert werden, dass Enteignungen notwendig werden.

Werden Wünsche und Anregungen der Bürger in den Planungen berücksichtigt?

Wünsche und Anregungen von Anwohnern und anderen Interessierten werden in sehr begrenztem Umfang (z.B. Ausgestaltung der Lärmschutzwände) und im Rahmen des Möglichen in den Planungen berücksichtigt werden. Die Einbindung wird im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens sichergestellt. Daneben besteht bereits jetzt das Angebot der Projektverantwortlichen zu einem Austausch mit Bürgerinitiativen, Anliegern und anderen Interessengruppen. Dazu zählen punktuelle „Marktstände“ in den Fußgängerzonen (Rahlstedt, Ahrensburg, Bargteheide, Wandsbek), Bürgersprechstunden (Rahlstedt, Ahrensburg, Bartgeheide und Bad Oldesloe) mehrere Internetauftritte (nah.sh, Hansestadt Hamburg und DB Bauinfoportal). Weitere Veranstaltungen zur Bürgerinformation werden im weiteren Projektverlauf folgen.

Was hat es mit dem so genannten „Achsenkonzept“ in Hamburg auf sich?

Das Achsenkonzept basiert auf den Überlegungen von Fritz Schumacher und zielt auf eine konzentrierte Stadtentwicklung entlang der Hauptsiedlungsschwerpunkte von Hamburg und seinem Umland ab. Dabei werden im Norden alle Richtungen, von Hamburg ausgehend, berücksichtigt: Elmshorn, Kaltenkirchen, Ahrensburg, Büchen. Eine dieser Achsen (über Ahrensburg nach Bad Oldesloe) läuft dabei entlang der Projektstrecke zur S4 (Ost). Dementsprechend stellt der Ausbau eine Stärkung der Nahverkehrsverbindungen entlang der starken Verflechtung zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein dar.

Grundsätzlich ist eine Verlängerung der geplanten S4 (Ost) hin zu einer S4 (West) als Erweiterungsoption angedacht. Diese soll die bisher geplante S4 von Hamburg-Altona entlang einer weiteren Siedlungsachse über Pinneberg nach Elmshorn und von dort aus weiter bis nach Kellinghusen bzw. Itzehoe fortführen. Bereits im Dezember 2014  wurde das Zugangebot auf der späteren Strecke dieser S4 (West) zwischen Hamburg-Altona und Itzehoe/Wrist neu geordnet:  Seit dem fahren dort neue Triebzüge der Nordbahn auf den neuen Linien Hamburg-Altona – Elmshorn – Wrist und Hamburg Hbf – Elmshorn – Itzehoe jeweils im Stundentakt. Zwischen Hamburg, Pinneberg und Elmshorn fährt dann  zweimal pro Stunde eine Art „Vorlauf-S4“. Die geplante S4 (West) bietet später sogar einen 20-Minuten-Takt und Direktverbindungen durch die Hamburger Innenstadt.

Seit wann gibt es Planungen zu einer solchen S-Bahn-Linie? Warum werden sie erst jetzt umgesetzt?

Bereits  zwischen 1967 und 2002 trugen die Nahverkehrszüge auf der Strecke Hamburg – Lübeck zwischen Hamburg Hauptbahnhof und Ahrensburg die Liniennummer S4. Diese Nummer gab ursprünglich nicht nur die Zugehörigkeit der Linie zur Tarifgemeinschaft bekannt, sondern definierte darüber hinaus die Schnellbahnwürdigkeit des Linienastes, aus der bei verschiedenen anderen Linien dann auch der Bau von „echten“ Gleichstrom-S-Bahnen folgte.

Mehrfach wurde auch der Linienast Richtung Ahrensburg untersucht. Ende der 1980er Jahre entstand eine Studie zur Beseitigung der Bahnübergänge im Bezirk Hamburg-Wandsbek, die durch eine Untersuchung bezüglich der Möglichkeiten eines späteren S-Bahn-Baus ergänzt wurde.

Die Bahnstrecke Hamburg – Lübeck führt über 12 Kilometer durch den dicht besiedelten Bezirk Hamburg-Wandsbek. Gerade in den letzten 20 Jahren hat hier eine Verdichtung der Bebauung ebenso wie eine Erweiterung der Gewerbeflächen stattgefunden, so dass das Quell- und Zielaufkommen des Gebiets inzwischen eindeutig S-Bahn-würdig ist.

Nördlich der Landesgrenze zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein liegt im Kreis Stormarn die Stadt Ahrensburg. Auch hier sind Einwohnerzahl und Gewerbeansiedlung so gewachsen, dass ein S-Bahn-Anschluss sinnvoll ist.

Nördlich von Ahrensburg wird das Gebiet des Kreises Stormarn ländlicher. Einen lokalen Aufkommensschwerpunkt, der ebenfalls in den letzten Jahren ein starkes Wachstum erfahren hat, stellt die Stadt Bargteheide dar. Die Kreisstadt Bad Oldesloe bildet den Abschluss der Nahverkehrs-Achse.

Es entstand das Konzept einer S-Bahn-Verbindung von Bad Oldesloe über Hamburg bis nach Itzehoe und Wrist. Die derzeit in Untersuchung befindliche Strecke Hamburg – Bad Oldesloe stellt den östlichen Teil dieser Linie dar. Der aktuell laufenden Vorentwurfsplanung sind bereits mehrere Studien vorausgegangen: Dazu gehören eine Machbarkeitsanalyse, Fahrgastprognosen, Betriebssimulationen sowie die so genannte „Betriebliche Aufgabenstellung“.

In den letzten Jahren wurde an der Strecke Hamburg – Bad Oldesloe viel gebaut, u.a. wurde eine Oberleitung errichtet, der Bahnhof Ahrensburg-Gartenholz neu gebaut und viele Bahnsteige modernisiert. Muss das alles wieder abgerissen werden? Oder wie werden bestehende Bauwerke in die Planungen einbezogen?

In der Vorentwurfsplanung wurde die vorhandene Infrastruktur so weit wie möglich berücksichtigt. Im Rahmen der VEP wurde mithilfe einer Multi-Kriterien-Analyse in verschiedenen Varianten geprüft, wie hoch der Anteil der Oberleitungen sowie der Schallschutzeinrichtungen ist, der erhalten bleiben kann. Entscheidend sind neben wirtschaftlichen Aspekten auch Überlegungen zum Bauverfahren, zu Eingriffen in den laufenden Bahnbetrieb sowie zu Eingriffen in Grundstücke und Umwelt.

Stand: 10. März 2016

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