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Hamburg im Stillen

Tour-Nummer: 11 / 2004

Ein Spaziergang auf dem Ohlsdorfer Friedhof

"Wenn du mal so richtig aus dem ganzen Alltagstrubel raus willst, wohin gehst du dann?" frage ich meine Freundin Andrea vor meinem Hamburgbesuch. "Warst du schon mal auf dem Ohlsdorfer Friedhof?" Auf diese Idee wäre ich ganz bestimmt nicht gekommen, aber die Aussicht auf eine Oase - acht mal so groß wie die Fläche des Vatikans! - mitten in der Metropole überzeugt mich sofort.

Dort fällt mir als Erstes die Bushaltestellen auf: So etwas habe ich noch nie gesehen, ein Liniennetz auf einem Friedhof. "Da bekommst du gleich einen Eindruck von der Größe", sagt Andrea und lenkt mich zum Haupteingang. Hier schließen wir uns einer Führung an, um etwas mehr über die Geschichte der größten Friedhofs- und Parkanlage Europas zu erfahren.

"So ein Friedhof ist erst einmal nichts anderes als ein ganz normales Unternehmen", leitet Herr Rehkopf den Rundgang ein, „270 Menschen sind hier beschäftigt.“ Unterwegs fallen uns die unterschiedlichen Grabmalssymbole auf, wie die in Stein gehauenen Rosen- oder Mohnblüten, Schmetterlinge und eine Sanduhr mit Flügeln oder eine Flamme. "Grabsymbolik ist ja immer ein wenig um die Ecke gedacht", sagt Herr Rehkopf. Das Tröstende erschließt sich oft erst auf den zweiten Blick. Nehmen Sie zum Beispiel den Mohn." - "Eine starke Droge, wird auch Schlafes Bruder genannt", fällt mir ein. "Genau", führt Herr Rehkopf weiter aus, "und wenn der Tod ein Schlaf ist, dann gibt es auch ein Wiedererwachen."

Über drei Stunden waren wir an diesem Tag auf dem Friedhof unterwegs und haben doch nur einen Bruchteil gesehen. Für einen Besuch im Stillen verabrede ich mich auf dem Weg nach Hause schon für den nächsten sonnigen Tag – mit mir ganz allein.

Friedhof Ohlsdorf, Fuhlsbütteler Straße 756, Öffnungszeiten: April bis Oktober täglich 8:00 - 21:00 Uhr, November bis März: täglich 8:00 -18:00 Uhr; Informationshaus: täglich 11:00 - 15:00 Uhr; Museum: So., Mo. und Do. 10:00 - 14:00 Uhr; Unter www.friedhof-hamburg.de finden Sie u.a. alle aktuellen Termine von Veranstaltungen und Führungen von April bis Oktober.

Ö: U1, S1, S11 sowie Buslinien 172 und 39 bis Ohlsdorf

Tipps zur Tour

Tipp 1

Keine Hektik in der Stadtoase

Ob zum Frühstück, zwischendurch bei handgeschöpfter Trinkschokolade auf der Empore oder abends bei ausgesuchten Whiskeys an der Bar, der Rückzug vom Alltag gelingt im "Hadley' s" stets aufs Feinste. Beim Schlump 84a, täglich ab 11:00 Uhr, www.hadleys.de

Ö: Buslinie 5 bis „Eimsbüttel Bezirksamt“, 3 Min. Fußweg

Tipp 2

Verschwinden zwischen Büchern und Musik

Bei "text und töne" kann stundenlang nach antiquarischen Büchern, CDs und Schallplatten gestöbert werden, die noch gar nicht so alt sind. Es gibt sogar die Möglichkeit zum Reinhören. Grindelallee 80, T. 040/45036467, Mo. - Fr. 10:00 - 20:00 Uhr, Sa. 10:00 - 18:00 Uhr

Ö: Buslinie 5 bis „Grindelhof“

Tipp 3

In Ruhe untertauchen

Wirklich raus aus allem sind Sie bei einem Spaziergang durch den alten Elbtunnel in 12 m Tiefe. Lassen Sie sich von der Atmosphäre einfangen oder erraten Sie, welchen Fischen Sie dort unten begegnen. An den Landungsbrücken, Eingang rechts von Brücke 6.

Ö: S1, S3 und U3 bis „Landungsbrücken“, 5 Min. Fußweg

Tipp 4

Schön abschalten im Luxus

Ob ayurvedische Massage, Gesichtsbehandlung oder Algenpackung: Im Gesundheits- und Beautyzentrum "med-nature" . Terminabsprache erforderlich. Beim Alten Gaswerk 1/Daimlerstraße, T. 040/57260676, www.med-nature.de

Ö: S 1 bis „Bahrenfeld“, 5 Min. Fußweg

Tipp 5

Friedhof Ohlsdorf für zuhause

Für alle, die sich sich auf den Besuch eingehend vorbereiten möchten, hat Helmut Schoenfeld in "Der Friedhof Ohlsdorf. Gräber, Geschichte, Gedenkstätten" – erschienen 2000 im Christians Verlag – kompakt beschrieben, was für das Selbsterkunden interessant ist.

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