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Der Fischbrötchenreport

Tour-Nummer: 14 / 2005

Quer durchs Land: Expeditionsbericht einer Fischbrötchenforscherin

Erster Tag. Nichts. Nicht das kleinste Schüppchen. Klar, Essen gibt es schon. Aber kein Fischbrötchen. Der Currywurstkapitale Berlin entronnen, stehe ich im Kieler Hauptbahnhof und bin ratlos. Haben mich meine Fischbrötchenforscherinstinkte getrogen? Ist die Expedition zu Ende, bevor sie überhaupt angefangen hat?

Zweiter Tag. Forschend durchstreife ich Kiel und lande – fischbrötchenlos – am Schifffahrtsmuseum, der ehemaligen Fischauktionshalle. Auch hier keine Fischbrötchen. Die freundliche Dame an der Kasse rät mir, nach Laboe zu fahren Aufgeregt sitze ich wenig später auf der Fähre. Und tatsächlich: Laboe ist mit Fischbrötchenhinweisschildern gepflastert. Kauend lasse ich die Beine über die Kaimauer baumeln und beobachte, wie die Chiffonkörper der Quallen durchs Wasser treiben.

Dritter Tag. Per Zug nach Glückstadt, der Matjesstadt. Die Fortuna auf dem Kirchturm glitzert wie ein Heringsschwarm im Sonnenlicht, der Himmel strahlt meerblau. Schnell zum Hafen. Nur, wo sind die Fischbrötchen? Schließlich schickt man mich zu Bäcker Lehmann. Köstlich! Sämtliche Fischbrötchenforschergeschmacksnerven jubilieren! Die Luxusversion des Matjesbrötchens schmilzt auf meiner Zunge: Zwei Filets auf einem gebutterten, knusprigen Brötchen. „Fischbrötchen sind eine Spezialität aus Norddeutschland und werden auch von Einheimischen gegessen!“, sagt Herr Plotz. Der ist eine Autorität, organisiert die Glückstadter Matjeswochen und kreiert in seinem Restaurant „Kandelaber“ schon lange leckerste Matjesrezepte. Zurück nach Kiel, die Worte des Glückstädter Matjeskönigs im Ohr.

Ö: Nach Glückstadt stündlich mit der Regionalbahn aus Itzehoe und Elmshorn/Pinneberg. Die Tageskarte Kiel – Glückstadt kostet 22,60 Euro. Nach Laboe vom Kieler Hauptbahnhof mindestens alle 30 Minuten mit den Buslinien 100 und 102, vom Anleger Hauptbahnhof mit der Fördeschifffahrtlinie F1 nach Laboe. Die Einzelfahrkarte Kiel – Laboe mit dem Bus kostet 2,30 Euro, mit dem Schiff 3,30 Euro.

Tipps zur Tour

Tipp 1

Tipps und Infos rund um Fischbrötchen

    Das ultimative Rezept von Matjeskönig Plotz aus Glückstadt. „Moin Moin, mein Name ist Henning Plotz und ich „Mache den Matjes“, den Original Glückstädter Matjes. Mein Rezept für ein gutes Fischbrötchen? Also, wenn man denn das Glück hat, ein richtiges Matjesfilet auf dem Brötchen zu finden, dann sollte dieser fantastische Geschmack, der Sie gleich erwartet, nur durch ein paar Zwiebelringe und vielleicht ein Salatblatt gekrönt werden. Aber woran erkennen Sie Ihr Glück? Nun, ein echtes Matjesfilet ist klein und zart, auf der Unterseite leicht rötlich von der natürlichen Reifung an der Gräte. Meist werden Ihnen aber die sogenannten „Heringe nach Matjes Art“ in einem Brötchen unter die Nase kommen. Dies sind zumeist große Heringsfilets, welche in Öl konserviert, künstlich gereift und in Form geschnitten sind und eigentlich auch sonst nichts mit einem echten Matjesfilet zu tun hat. Wenn Sie also „Glück“ haben, dann kommt es für mich entscheidend darauf an, den Matjes in einem richtig schönen, ungebutterten Roggenbrötchen zu finden, welches nicht bereits am Vortage die Backstube verlassen hat, sondern frisch am Stand gebacken wird. Dann bleibt mir Ihnen nur noch eins zu sagen: Guten Appetit“.

Auf den Spuren der Fischbrötchenreporterin

Laboe: Ob per Bus oder Fähre, Laboe lockt mit einer quirligen Strandpromenade, dem Marine-Ehrenmal und jeder Menge Fischbrötchen. Hier ganz besonders: Mobile Fischräucherei Uwe Duczmal, Hafenplatz, 24235 Laboe. Exquisites Fischbrötchen mit außergewöhnlich mildem Matjes. Di. 12:30 –17:00 Uhr, Mi.–So. 11:00 –17:00 Uhr

Glückstadt: Auch wer keine Fischbrötchen mag, sollte unbedingt nach Glückstadt fahren, denn die Stadt ist ein historisches Juwel: Im 17. Jhd. Von König Christian gegründet, folgt sie dem Ideal der italienischen Renaissancestadt. Einfach und schnell zu erreichen mit der Regionalbahn. Ein schöner Tagesausflug.

Restaurant „Kandelaber“, Am Markt 14, 25348 Glückstadt, T. 04124 /93 27 77, Di.–Sa. 11:30–14:30 Uhr und ab 18:00 Uhr, So. ab 11:30 durchgehend geöffnet. Glückstädter Matjes lecker zubereitet: ganz klassisch, aber auch exotisch.

Landbäckerei Willi Lehmann, Große-Kremper-Straße 15, Straßenverkauf für leckere Matjesbrötchen.

Bäckerei Konditorei Reinhold Witt: Die älteste Bäckerei Schleswig-Holsteins. Bäcker Witt stellt alles selbst her und betreibt zwei eigene Mühlen. Hier kann man hübsche, handgemachte Matjes und anderes Meeresgetier aus Marzipan kaufen. Am Fleth 21, Mo.–Fr. 4:30–12:00 Uhr und 14:30–18:00 Uhr, Sa. 4:30–12:00 Uhr.

Detlefsenmuseum im Brockdorf-Palais, Am Fleth 43, Museum zur Stadt- und Regionalgeschichte, ständige Ausstellung u. a. zur Geschichte des Walfangs in Glückstadt. Sa., So., Di. 10:00 –12:00 Uhr und 14:00 – 17:00 Uhr, Fr. 15:00 –18.00 Uhr. 

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