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Wenn der Vater mit dem Sohne ...

Tour-Nummer: 06 / 2014

Vom Bahnhof Quickborn zu Fuß ins Himmelmoor

„Weißt du noch, wie du damals eine Torfbahn in unserem Garten geplant hast?“, fragt mein Vater mich plötzlich. Langsam kommt die Erinnerung zurück. Und dann habe ich auch die Streckenpläne wieder vor Augen, die ich zu Hause am Küchentisch gezeichnet hatte. 30 Jahre muss das her sein. Und heute bin ich zurückgekehrt zur Inspirationsquelle meiner kindlichen Eisenbahnträume: ins Himmelmoor bei Quickborn, nordwestlich von Hamburg.

Seit Jahrhunderten wird hier bis heute Torf gestochen, der in Loren zum Torfwerk rollt. Und ich begebe mich mit meinem Vater auf Spurensuche. Auf einem Bauhof an der Kieler Straße entdecken wir an der Spitze eines Hügels einen überwucherten Kopf der längst abgerissenen Torfbahnbrücke. Doch das ist nur eine Zwischenstation auf unserem Weg ins Moor. Vorbei an weiten Weideflächen erreichen wir das Torfwerk, das heute am Sonntag fast gespenstisch still vor uns liegt. Die kegelförmigen, schwarz-braunen Torfberge ragen wie kleine erloschene Vulkane in die Höhe. Und die dahinter aufgereihten Lokomotiven und Waggons der Torfbahn sehen aus, als ob sie vor langer Zeit in einen Dornröschenschlaf versetzt worden wären.

Nördlich vom Torfwerk biegen wir nach rechts ins Hochmoor ab. Doch das macht seinem Namen nur noch begrenzt Ehre. Denn über die Jahrhunderte wurden im Himmelmoor etwa sieben Höhenmeter Torf abgebaut. Ein Gefühl für diesen enormen Eingriff in die Natur bekommen wir, als wir den so genannten Nullberg besteigen. Aus sieben Meter Höhe schauen wir schließlich von oben über dunkle Torfflächen auf die in der Sonne schillernden Wipfel der umstehenden Birken. Was für ein Kontrast. Und was für ein Ort für ein ausgedehntes Picknick in der Sonne.

Eine wieder ganz andere Welt empfängt uns dann nach unserer Butterkuchen-Pause am Rande der Moorfläche. In einem schon lange von der Natur zurückeroberten ehemaligen Abbaugebiet erwarten uns tiefschwarze Tümpel, Birken, Flechten, Eidechsen, Brombeeren sowie Heerscharen von Mücken. Und plötzlich erinnere ich mich wieder: Auch als ich das letzte Mal hier war, hatte ich eine kurze Hose an – und war gnadenlos zerstochen aus dem Himmelmoor zurückgekehrt …

Ö: Aus Hamburg-Eidelstedt und Henstedt-Ulzburg mindestens stündich mit der AKN nach Quickborn.

Tipps zur Tour

Tipp 1

Infos und Tipps zwischen Quickborn und Himmelmoor

Vom Bahnhof Quickborn bis zum Torfwerk gehen Sie etwa eine halbe Stunde. Gehen Sie zunächst über die Torfstraße am Rathaus vorbei, überqueren Sie die Ellerauer Straße, biegen Sie rechts vom Busbahnhof in einen Weg ein und am Ende links und wieder rechts ab. Jetzt sind Sie auf der Kieler Straße. Gleich rechts geht es auf den Bauhof mit dem alten Torfbahn-Brückenkopf. Auf der anderen Straßenseite steht bereits der  erste Infokasten der Geschichtswerkstatt. Von hier ab ist der Weg über die Himmelmoorchaussee ins Moor perfekt ausgeschildert und mit weiteren Info-Kästen bestückt. Im Himmelmoor erwarten Sie dann diverse Naturpfade und Wanderwege. Eine große Himmelmoor-Karte sowie weitere Informationen zum Torfabbau und zur Renaturierung finden Sie direkt am Torfwerk.

Tipp 2

Für Hobby-Historiker

Unter dem Titel „Kriegsgefangenen-Arbeitskommando 1416“ haben fünf Quickborner Bürger in einem Buch die Geschichte der jüdischen Kriegsgefangenen im Himmelmoor aufgearbeitet. ISBN 3-529-06139, Wachholtz Verlag, 7,50 Euro.

Tipp 3

Für Hobby-Gourmets

Im 1902 erbauten, im Bilsener Wohld gelegenen Romantik-Hotel und -Restaurant „Jagdhaus Waldfrieden“ begeistert Küchenchef Thomas Lubig selbst kritische Zungen. Kieler Straße, 25451 Quickborn, T. 041 06/610 20, www.waldfrieden.com.

Tipp 4

Für Hobby-Archäologen

Nahe Langeln lädt das Voßmoor zu Entdeckungstouren ein. Wer sich auf den Weg macht, wird mit dem Anblick von Hügelgräbern aus der Bronzezeit belohnt.

Ö: Stündlich mit der AKN ab Quickborn nach Langeln.

Tipp 5

Für Hobby-Botaniker

2.200 Baum- und Straucharten sowie unzählige Blumen lassen sich auf dem ökologischen Lehrpfad im Arboretum Ellerhoop entdecken. Thiensen 17, 25373 Ellerhoop, T. 041 20/218, im Sommer tägl. 9:00–19:00 Uhr.

Ö: Aus Pinneberg stündlich mit der Buslinie 185 bis Ellerhoop Arboretum.

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