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Mönch für einen Tag

Tour-Nummer: 06 / 2008

Den Mönchsweg entlang – auf den Spuren des Heiligen Vicelin (Michael Fischer)

Meine Kutte lag bereit. Seit Tagen schon. Natürlich war es genau genommen nur ein brauner Kapuzenpullover. Doch für mich war er mehr. Mindestens so etwas wie ein Rückzugskleidungsstück, das mir dabei helfen sollte, Stress und Hektik für einen Tag zu entkommen – mit dem Fahrrad auf dem Mönchsweg. Von der über 340 Kilometer langen Strecke, die sich von Glückstadt bis nach Puttgarden zieht, hatte ich mir die Route zwischen Bad Segeberg und Plön ausgesucht.

In meinem ersten Ziel, der Marienkirche, setze ich mich in die erste Reihe zwischen kräftige Pfeiler und Säulen. Nur das Ticken einer uralten Wanduhr durchschneidet die Stille. Und das macht mir bewusst, dass auch hier die Zeit vergeht. Nur habe ich das Gefühl: Hier rast sie nicht, sondern schreitet ruhig voran.

„Wie wir arbeiten, wie wir schlafen, wie wir mit der Zeit umgehen und mit unseren nächsten Menschen – alles hängt mit unseren Überzeugungen zusammen“, lese ich im Faltblatt „Glauben im Alltag“, das neben dem Eingang ausliegt. Der Augustinermönch und Bischoff Vicelin (1090 – 1154), der im 12. Jahrhundert die ostholsteinischen Slawen missionierte und in Segeberg erstmals eine Kirche gründete, hätte dem sicher zugestimmt.

Nach einigen Kilometern macht das Fahrradfahren richtig Spaß. Dem Weg, auf dem ich fahre, sollen im Mittelalter die ersten Christen und Mönche gefolgt sein. Daher stammt der Name Mönchsweg. Heute führt er vorbei an zahlreichen Kirchen und Klöstern, Schlössern und Gutshöfen. Ich lasse Bornhöved hinter mir und fahre an blühenden Obstfeldern vorbei, dicht entlang am Großen Plöner See bis zur St. Petri Kirche in Bosau. Der „kleinste Dom der Welt“ liegt idyllisch auf der Halbinsel im Großen Plöner See.

Am Ende schaffe ich es gerade noch rechtzeitig nach Plön zu meinem Zug nach Kiel. Meine Kutte liegt neben mir. Das Fahrrad lehnt gegenüber. Die Landschaft hat die Nacht verschluckt. Und ich war Mönch für einen Tag. Aus Überzeugung.

Michael Fischer

Ö: Aus Neumünster und Bad Oldesloe stündlich mit der Nordbahn nach Bad Segeberg. Aus Plön stündlich mit dem Regionalexpress nach Kiel oder Lübeck.

Info

  • Länge der Tour: etwa 60 Kilometer, Hotel & Restaurant Dat Gröne Huus, Stadtbeker Straße 97, 23715 Bosau, T. 045 27/753, www.dat-groene-huus.de.

Tipps zur Tour

Tipp 1

Einkehr I: Körper

Auf Tradition wird im Familienbetrieb Elend viel Wert gelegt. Und das nicht nur bei der Einrichtung. Die Torten sind hausgemacht und auch die Schokolade und Trüffel werden in Bornhöved selbst hergestellt. Besonders empfehlenswert: die Ostfriesentorte. Konditorei und Café Elend, Am Alten Markt 8, 24619 Bornhöved, Tel. 04323/6463, täglich von 8:00 – 18:00 Uhr, So. 9:00 – 18:00 Uhr.

Ö: Von Kiel Bus Linie 410 Richtung Trappenkamp, von Bad Segeberg Linie 411 Richtung Bornhöved Adolfplatz.

Tipp 2

Einkehr II: Geschichte

Bei einem Exkurs zum Kloster Nütschau lohnt sich ein Abstecher zur Nütschauer Schanze. Die im Jahr 830 n. Chr. von Kaiser Karl dem Großen errichtete Wallanlage an der Trave war Teil des Slawenwalls (Limes Saxoniae). Er trennte den westlichen – sächsischen – Teil vom slawischen Ostteil des Landes und war seinerzeit der einzige Traveübergang in der Region. Kloster Nütschau, Schlosstrasse 26, 25843 Travenbrück, Tel. 04531/5004-0, www.haus-sankt-ansgar.de,

Ö: Von Bad Oldesloe mit dem Bus 8129 bis Schlosstraße, dann etwa fünfzehn Minuten zu Fuß.

Tipp 3

Einkehr III: Kunst

Kunst Der Holzbildhauer und Maler Otto Flath (1906-1987) schuf in seinem Leben 3.500 Holzskulpturen und über 20 Altäre sowie rund 20.000 Aquarelle und Zeichnungen. In der Kunsthalle und auf dem Gelände um die ehemalige Villa des Künstlers wird ein Teil dieses beeindruckenden Werkes präsentiert. Otto-Flath-Kunsthalle und Villa Flath, Bismarckallee 5, 23795 Bad Segeberg, Tel. 04551/879900. www.otto-flath.de, Di.-So. 14:00-18:00 Uhr.

Ö: Mit der Buslinie 7751 Richtung Strandbad/Ihlsee bis Herzzentrum Bad Segeberg, von dort etwa f�nf Minuten zu Fuß.

Tipp 4

Dunkersche Kate

Die Dunkersche Kate stammt vermutlich von 1687 und diente als Schmiede und Leinenweber-Kate. Heute können hier wechselnde Ausstellungen zu Töpferarbeiten, Skulpturen sowie Aquarell- und Ölarbeiten besichtig werden. Sehenswert: der schöne Katengarten mit seltenen Pflanzen, der Teil der Gartenroute Schleswig-Holstein ist. Kate täglich von 11:00 bis 18:00 Uhr, Bischof-Vicelin-Damm 11, 23715 Bosau, T 04527/99710, www.gartenrouten-sh.de.

Ö: Mit der Buslinie 5516 von Eutin bis Bosau Feuerwehr, von dort sind es wenige Minuten zu Fuß.

Tipp 5

Innere Kraft

Anselm Grün, Mönch und Leiter der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, ist nicht nur ein großer Charismatiker, sondern auch ein Meister des geschriebenen Wortes. Sein Taschenbuch „Quellen innerer Kraft“ ist besonders für all diejenigen zu empfehlen, die immer wieder unter Stress stehen oder zu Erschöpfungen neigen. Der Pater zeigt in seinem Buch mit einfachen, aber schlagenden Beispielen auf, wo Quellen innerer Kraft liegen – und wie wir sie wieder sprudeln lassen können! Anselm Grün: Quellen innerer Kraft. Erschöpfung vermeiden – positive Energien nutzen, 160 Seiten, 8,- Euro, ISBN 978-3-451-05939-1 

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