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DB Regio bekommt Zuschlag für Elektronetz Ost

Wirtschafts- und Finanzausschuss stimmen Vergabe zu - DB Regio bleibt Betreiber - Zusätzliche Züge und Verbindungen

Die Vergabeentscheidung zur Ausschreibung für das Bahnnetz Ost ist gefallen: DB Regio erhält den Zuschlag und bleibt damit der Betreiber auf den Strecken Lübeck-Travemünde – Lübeck Hbf (RB 86), Lübeck Hbf – Hamburg Hbf (RE 8/80) und Lübeck Hbf – Puttgarden (RB 85). Die Regionalbahnlinie RB 81 Bad Oldesloe – Hamburg ist nicht Teil der Ausschreibung. Der Wirtschafts- und der Finanzausschuss des Landtages haben der Vergabeempfehlung der NAH.SH GmbH heute zugestimmt.

Ende Januar 2018 hatte die NAH.SH GmbH die Ausschreibung des so genannten „Elektronetzes Ost“ im Auftrag des Landes gestartet. Der neue Verkehrsvertrag soll von Dezember 2022 bis Dezember 2035 gelten. DB Regio hatte sich als einziger Bieter um den Betrieb auf den insgesamt 175 Kilometer langen Strecken beworben. Am Verfahren selbst hatten sich vier Unternehmen beteiligt.

Der Fahrplan im neuen Elektronetz Ost wird an einigen Stellen verbessert: Der Halbstundentakt zwischen Lübeck und Hamburg soll künftig auch an Wochenenden bis 23 Uhr sowie werktags von 5 bis 24 Uhr angeboten werden. Die Züge zwischen Hamburg und Lübeck fahren künftig an Wochenenden nachts durchgängig im Stundentakt.

Zusätzliche Züge und Verbindungen

Vor allem die guten Fahrzeugkonditionen haben sich positiv auf den Angebotspreis von DB Regio ausgewirkt. Deshalb kann das Land zusätzliche Züge bestellen und damit künftig zum Beispiel teilweise den in der Region lange gewünschten Halbstundentakt nach Neustadt und Travemünde Strand anbieten. Die Regionalexpress-Züge werden täglich von Hamburg Hbf über Lübeck Hbf bis nach Travemünde Strand verlängert. Aufgrund der geringeren Nachfrage bleibt dabei ein Zugteil am Lübecker Hauptbahnhof bzw. wird in Richtung Hamburg dann am Lübecker Hauptbahnhof wieder mit dem anderen Zugteil vereinigt.

In den ersten Vertragsjahren muss die Bahnstrecke zwischen Puttgarden und Neustadt (Holst) mit dem Bau der Hinterlandanbindung der festen Fehmarnbeltquerung mehrere Jahre lang gesperrt werden. Als Ersatz ist ein besonders hochwertiger Busverkehr im Stundentakt mit sechs neuen, doppelstöckigen Reisebussen des Typs S 531 DT vorgesehen. Die Busse haben in der unteren Etage barrierefrei zugängige Mehrzweckbereiche mit Rollstuhlplatz. Sie bieten außerdem u. a. viel Stauraum für Gepäck, Toiletten, Klimatisierung, Steckdosen, WLAN, ein Reservierungssystem, Infomonitore und einen Fahrradträger am Heck.

Da sich die mehrjährige Streckensperrung auf den Abschnitt nördlich von Neustadt beschränkt, besteht das Zugangebot zwischen Neustadt und Lübeck vorerst mit gebrauchten, barrierefreien Dieseltriebwagen weiter. Sobald die Strecke Puttgarden – Lübeck elektrifiziert ist, sollen die Regionalexpress-Züge von Hamburg über Lübeck bis nach Neustadt verlängert werden. Dabei ist dann vorgesehen, dass die Züge in Lübeck „flügeln“ und jeweils ein Zugteil nach Travemünde Strand bzw. nach Neustadt weiterfährt.

Neue Fahrzeuge zwischen Lübeck und Hamburg

Für den elektrifizierten Verkehr sind mit dem künftigen Verkehrsvertrag 18 neue, barrierefreie, elektrisch angetriebene Doppelstocktriebwagen des Typs KISS vorgesehen. Sie haben unter anderem folgende Ausstattung:

  • 405 Sitzplätze je Zugteil
  • rollstuhlgerechte Toiletten
  • Mehrzweckbereiche für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen und Fahrräder
  • kostenfreies WLAN
  • Videoaufzeichnung
  • elektronisches Reservierungssystem
  • Monitore zur Anzeige von Echtzeitinformationen
  • Steckdosen in 1. und 2. Klasse
  • 36 Fahrradstellplätze

Zwischen Lübeck und Hamburg sollen diese Fahrzeuge in der Regel in Doppeltraktion eingesetzt werden und bieten dann 810 Sitzplätze je Verbindung. Für die neuen Fahrzeuge ist ab Juni 2022 ein Probebetrieb geplant, damit die tatsächliche Betriebsaufnahme ab Dezember 2022 stabil läuft. Zusätzliche Kapazitäten bestehen durch attraktive Sprinterzüge, die zur Hauptverkehrszeit kurz vor den Regelzügen abfahren und nur 38 Minuten Fahrzeit zwischen Lübeck und Hamburg benötigen. Für den neuen Verkehrsvertrag entsteht außerdem eine neue Werkstatt in Lübeck.

Auf den Bahnlinien im Elektronetz Ost sind heute pro Tag rund 24.000 Fahrgäste unterwegs.