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Akkutriebzüge: Land wählt Bereitsteller und bestellt Transferflotte

Nachdem das Land im vergangenen Jahr den Fahrzeughersteller Stadler damit beauftragt hatte, 55 Akkutriebzüge zu liefern und für 30 Jahre instand zu halten, sind jetzt die nächsten Schritte auf dem Weg zur Betriebsaufnahme ab Ende 2022 erfolgt.

Das Land hat die Paribus Holding nach erfolgreicher Ausschreibung beauftragt, die Züge zu kaufen und anschließend für 30 Jahre an die vom Land auszuwählenden Eisenbahnverkehrsunternehmen zu vermieten. Das Hamburger Unternehmen wird damit die erste große Beschaffung von Batterietriebzügen in Deutschland und wohl auch in Europa seit mehr als 50 Jahren finanzieren. Dazu nimmt Paribus eine vom Land gewährte Kapitaldienstgarantie in Anspruch und kann so eine günstige Finanzierung sicherstellen. Paribus wird zusätzlich die Bauphase technisch begleiten. Dieses operative Leistungspaket war optional ausgeschrieben worden.
Um eventuellen Anfangsschwierigkeiten bei der neuen Antriebstechnologie zu begegnen und eine reibungslose Einführung der neuen Akkutriebzüge zu erleichtern, soll Stadler ab November 2022 zunächst eine Vorserie von fünf Triebzügen ausliefern. Die restlichen Triebzüge sollen dann ab Mai 2023 bis Mitte 2024 sukzessive in Betrieb genommen werden. Für die Übergangszeit von Dezember 2022 bis Dezember 2024 hat das Land nach einer weiteren Ausschreibung nun DB Regio beauftragt, eine Transferflotte bereitzustellen. Diese umfasst 22 Alstom Coradia Lint 41 Dieseltriebzüge für den Betrieb und bis zu vier weitere als Werkstattreserve. Die Fahrzeuge, die bereits heute in den Netzen Ost und Nord eingesetzt werden, sollen in Kiel instand gehalten werden.
„Mit unseren 55 batterie-elektrischen Zügen bringen wir als erstes Bundesland emissionsfreie Züge an den Start und gehen so einen großen Schritt Richtung Verkehrswende. Ich bin froh, dass wir diese Züge nun auch noch zu attraktiven Konditionen mit dem Fahrzeugbereitsteller Paribus finanzieren können“, so Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz. Und mit Blick auf die Übergangsphase sagte er: „DB Regio hat sich im Vergabeverfahren durchgesetzt und wird die entsprechenden 22 Dieseltriebwagen bis Ende 2024 bereitstellen und Instandhalten. Damit ist nun der Weg frei für die Ausschreibung der Verkehrsleistung mit den Akkutriebwagen, die im Mai 2020 starten wird.“
Hintergrund
Vor dreieinhalb Jahren hat das Land Schleswig-Holstein das Vergabeverfahren „SH-XMU“ mit dem Ziel gestartet, möglichst emissionsfreie Fahrzeuge für den Schienenverkehr zu beschaffen und gleichzeitig die Wettbewerbssituation bei Fahrzeugen und Verkehrsleistung zu verbessern.
Das Verfahren gliedert sich in vier Vergaben. In der Vergabe SH-XMU I war die Stadler Pankow GmbH am 1. Juli 2019 als Entwickler, Hersteller und Lieferant der Züge ausgewählt worden. Nachdem nun die Entscheidungen für den Finanzier und zukünftigen Eigentümer der Züge sowie für den Bereitsteller der Transferflotte (SH-XMU II und SH-XMU III) erfolgt sind, schließt sich ab Mai 2020 als letztes das Vergabeverfahren über die Verkehrsleistungen in den Netzen Ost, Ost-West (Bad Oldesloe – Neumünster – Heide – Büsum) und Nord an (SH-XMU IV).