Stationskontrolle 2025: Bahnstationen in Schleswig-Holstein erhalten Durchschnittsnote 2,97
Zehn Mal „Sehr gut“, Bestnote für Wiemersdorf - Überprüfungen finden quartalsweise statt - Probleme bei Beleuchtung, Wetterschutz, Grünschnitt und Instandsetzung
Die Beleuchtung an Bahnsteigen, Unterständen oder Unterführungen funktioniert nicht überall zuverlässig. An Wartehäuschen sind Scheiben häufig beschädigt, fehlen und werden erst nach längerer Zeit ersetzt. Vereinzelt mangelt es an Sitzmöglichkeiten. Graffiti und Schmierereien beeinträchtigen das Erscheinungsbild. Mangelnder Grünschnitt erschwert die Nutzung von Wegen und Leitsystemen: Zu diesen Ergebnissen kommen die Gutachter bei der Stationskontrolle an Bahnstationen in Schleswig-Holstein im Auftrag der NAH.SH. Im Jahresdurchschnitt vergaben sie für alle Stationen im Land die Gesamtnote 2,97.
Für die Instandhaltung der Stationen sind in Schleswig-Holstein mehrere Infrastrukturbetreiber zuständig: DB InfraGO für 144 Stationen, die AKN Eisenbahn für 39 Stationen und die Niederdeutsche Eisenbahn Niebüll (NEG) für 7 Stationen. Für den Bahnhof Norderstedt Mitte ist die Hamburger Hochbahn verantwortlich. Zu den Gewinnern der aktuellen Bewertung zählen insbesondere Stationen der AKN. Die besten Durchschnittsnoten in allen Teilbereichen erhielten:
- Wiemersdorf mit der Note 1,0
- Nützen mit der Note 1,5
Den dritten Platz mit der Gesamtnote 1,75 teilen sich acht Stationen: Holstentherme und Neumünster Süd (beide AKN), Bad St. Peter Süd, Fresenburg, Friedrichsgabe, Garding, Kating und Tating (alle DB InfraGO Schleswig-Holstein). Die genannten DB-Stationen wurden im Jahr 2024 für den Betrieb mit Akkuzügen u. a. mit Landesmitteln modernisiert und barrierefrei umgebaut.
Am schlechtesten schnitt bei der Überprüfung die Station Sierksdorf mit der Note 4,5 ab. Dahinter folgen Kupfermühle, Wilster und Büsum (alle DB SH) mit jeweils 4,2. Zum Vergleich: Im letzten Bericht vergaben die Gutachter die Durchschnittsnote 3,0 für alle schleswig-holsteinischen Stationen.
Positiv bewerten die Gutachter die statischen Fahrgastinformationen an den Stationen im Land. Diese sind insgesamt zuverlässig vorhanden und haben sich an vielen Standorten verbessert, genauso bewährt sich der Einsatz von LED-Beleuchtung. Die Wege zu Haltestellen des Ersatzverkehrs sind gut ausgeschildert. Die Ausstattung mit digitalen Informationssystemen und Lautsprechern ist ausgebaut. Verbesserungsbedarf sehen die Prüfer weiterhin bei der Fahrgastinformation bei abweichenden Fahrplänen. Auch Umsteigewege sind für Fahrgäste nicht überall ausreichend klar gekennzeichnet.
Vier unangekündigte Tests pro Jahr
Der aktuelle Bericht betrachtet das gesamte Jahr 2025. Die Begutachtungen führt die BahnStadt Planungsgesellschaft für Bahnhofsentwicklung mbH im Auftrag der NAH.SH durch. Die Gutachter überprüfen unangekündigt einmal pro Quartal alle 179 Bahnstationen und Bahnhöfe in Schleswig-Holstein sowie zusätzlich die vom schleswig-holsteinischen Nahverkehr bedienten Hamburger Stationen. Bewertet werden unter anderem:
- Wartekomfort
- Wegeleitung
- Fahrgastinformation
- Sauberkeit der Anlagen
- Bauliche Instandhaltung
- Serviceangebote wie Aufzüge, Rolltreppen, Fahrkartenautomaten, WCs oder Servicepersonal
Zusätzlich prüfen die Tester*innen Bike-and-Ride-Stellplätze (B+R), deren Auslastung sowie Haltestellen des Ersatzverkehrs (EV). Die Kontrollen im vierten Quartal finden bei Dunkelheit statt, um auch die Beleuchtung zu bewerten. Alle festgestellten Mängel tragen die Tester*innen in eine interne Datenbank ein. Die Daten wertet BahnStadt mit der NAH.SH kontinuierlich aus und ermöglicht dadurch auch Langzeitvergleiche. Die Ergebnisse der Stationskontrollen veröffentlicht NAH.SH einmal jährlich in einem Bericht.
Im Jahresdurchschnitt schneiden die von AKN und NEG betriebenen Stationen mit den Noten 2,6 beziehungsweise 2,4 am besten ab. Die von DB InfraGO betriebenen Stationen erhalten im Durchschnitt eine 3,1 in Schleswig-Holstein und eine 3,3 in Hamburg.
Monitoring von schweren Mängeln
Gemeinsam mit den Gutachtern definiert die NAH.SH aus Fahrgastsicht besonders schwerwiegende Mängel, die von den Infrastrukturunternehmen prioritär bearbeitet werden sollen. Über die digitale Datenbank ist ein umfassendes Monitoring möglich: Alle beteiligten Akteure können nachvollziehen, ob und wann festgestellte Schäden behoben wurden.
Das Land Schleswig-Holstein und die NAH.SH haben keine direkten Verträge mit den Eisenbahninfrastrukturunternehmen und damit auch keine Möglichkeit, Qualitätsmängel unmittelbar zu sanktionieren. Gleichzeitig haben Land, NAH.SH und die Deutsche Bahn eigene Projekte gestartet, um das Erscheinungsbild an Stationen und im Stationsumfeld unabhängig vom Engagement der Infrastrukturbetreiber zu verbessern. Dazu zählen:
- der barrierefreie Ausbau der Stationen
- die bessere Verknüpfung von Rad und Bahn, u.a. durch die Förderung hochwertiger Bike+Ride-Anlagen, die die Kommunen im Stationsumfeld realisieren können
- die Entwicklung von hochwertigen Ersatzverkehren
- ein Sofortprogramm der NAH.SH zur Unterstützung von schnell umsetzbaren Maßnahmen an Stationen der DB. Dadurch ist es in vergleichsweise kurzer Zeit möglich, Sitzmöglichkeiten oder zusätzliche Wetterschutzhäuschen aufzustellen.
- Die Deutsche Bahn hat zudem über ihr Sanierungsprojekt „Zukunftsbahnhöfe“ einige Bahnhöfe des Landes für die nächsten Jahre mit neuem Mobiliar oder neuem Anstrich ausgestattet.
Das vom Bund bereitgestellte Sondervermögen für die Länder ermöglicht weitere Ausbauten und Sanierungen.
Den Qualitätsbericht als PDF-Datei zum Nachlesen finden Sie hier.